Abb. 15 »Wilhelms Ruhe« im Schloßgarten zu Machern
(Nach einem Blatte bei Gasch, Kunstantiquariat, Dresden)
Der Park zu Wörlitz hatte auf ganz Deutschland einen großen Einfluß ausgeübt und naturgemäß auch auf das benachbarte Sachsen. Racknitz schildert das mit folgenden Worten: »Unerwartet trat in Deutschland aus dem Zustand der bloßen Natur eine Anlage hervor, die allgemeinen Beifall fand und dem Geschmack eine bessere Richtung gab. Diese Anlage ist das Schloß und der Garten zu Wörlitz.« Herzog Franz von Dessau schuf sie in den Jahren 1769 bis 1773. Als Gartenkünstler stand ihm Johann Friedrich Eyserbeck zur Seite. Die Natur bot einen, schon an sich reich gestalteten See, dessen Buchten vermehrt wurden und den Kanäle mit kleineren Wasserstücken vereinten. Die im Bogen den Park umziehenden Schutzdämme bieten eine schöne Promenade mit weitem Blick ins Land. Hinzu treten Hügel und künstliche Felsen, sowie freie Plätze, die Raum boten für Stimmungsarchitekturen im Sinne von Hirschfeld. Hier konnte sich der Geist der Empfindsamkeit, wie wir ihn im Seifersdorfer Tal als beherrschend fanden, entfalten. Im ganzen aber überwog doch der Sinn für künstlerische Gestaltung, das Streben nach größeren Landschaftsbildern, und architektonisch durchgebildete Bauwerke führten zu einer Schöpfung, die mit Recht großes Aufsehen erregte und großen Einfluß auf die deutsche Gartengestaltung fand.
Das charakteristischste Beispiel für diese künstlerischen Ziele in Sachsens Gartengeschichte liefert wohl der Park zu Machern bei Wurzen, der in nahezu alter Form auf uns heute überkommen ist. Die grundlegenden Gedanken dürften vom Besitzer selbst ausgegangen sein. Der Graf Carl Heinrich August von Lindenau beschäftigte sich seit dem Jahre 1760 mit der Planung. Ihm standen zur Seite der Kondukteur J. F. Lange in Leipzig und später der preußische Bauinspektor E. W. Glasewald. Jeder schrieb ein Buch über den Garten zu Machern. 1796 erschien das von Lange mit einem Gartengrundriß ([Abb. 14]), woraus wir schließen, daß er bis zu dieser Zeit im Garten tätig war und wohl vor allem den Gartenplan schuf. 1799 gab Glasewald die »Beschreibung des Gartens zu Machern« heraus mit den genauen Plänen seiner Bauten.
Abb. 16 »Das Bauernhaus« im Schloßgarten zu Machern
(Nach einem Blatte bei Gasch, Kunstantiquariat, Dresden)
Den Hauptreiz gibt Machern wie auch dem Wörlitzer Park das Wasser. Es ist beachtenswert, daß die großen Teiche klare Grundformen behalten und nicht, wie wir in späteren Zeiten vielfach verfolgen, durch Einbuchtungen, Inseln und Inselchen in ihrer Wirkung verkleinert werden. Der Zusammenschluß des Wassers zu einem einheitlichen Ganzen ist freilich nicht so gelungen wie in Wörlitz. Die Einzelteile treten in geringe Beziehung zueinander und ebenso fügen sich die »englischen Dreiecke« peinlich unvermittelt ein. Sie beherbergen nun die Stimmungsszenerien, wie wir sie im Seifersdorfer Tal fanden. Doch ist auch hierin ein größerer Zug zu spüren. Einige Beispiele mögen das an Hand der Bilder klar legen.
Die zur Erinnerung an den Aufenthalt König Friedrich Wilhelms II. von Preußen am 10. Juli 1792 »Wilhelmsruhe« bezeichnete Anlage ist auch heute noch gut erhalten ([Abb. 15]). Eine Treppe aus Bruchsteinen führt hinab zu einem großen Platz, den an der einen Seite eine Felswand durch eine sanfte Biegung amphitheatralisch einschließt. Sie dient einer aus rohen Steinplatten errichteten Bank zu Lehne. Vor dieser steht ein steinerner Tisch. »Eine lachende Aussicht über eine Wiese entzückt um so mehr, weil wir sie nicht vermuteten. Im Vordergrund bildet eine Eiche und eine Birke mit ihren hängenden Ästen eine malerische Gruppe.«
Abb. 17 Das Mausoleum im Schloßgarten zu Machern (heutiger Zustand)
Nach Osten führt der Weg zu einer Schweizer Hütte, »welche man gewöhnlich das Bauernhaus nennt« ([Abb. 16]). Glasewald stellt den Bau im Grundriß, Schnitt und in der Ansicht dar und sagt darüber: »Mitten auf dem vorspringenden Strohdach erhebt sich ein Türmchen mit einer Glocke. Die äußeren Wände sind mit Rohr begleitet und inwendig ist eine einzige einfache Stube und eine Kammer, Vorplatz und Treppe. Beide Zimmer sind tapeziert, und zwar stellen die Decken Holzwerk, die Seitenwände aber Quadersteine vor, aus deren Fugen Efeu hervorwächst, die Fußböden sind mit Steinplatten belegt. Vor dem Hause findet sich unter dem Schutz des überhängenden Daches eine Ruhebank und ihr gegenüber stehen vier majestätische Eichen, unter welchen einfache Sitze angebracht sind. Unsre Einbildungskraft läßt die friedlichen Bewohner dieser Hütte hier ausruhen. Sie haben einen sanften Abhang hinunter, die liebliche Wiese im Auge, auf welche ihr Vieh weidet und in einiger Entfernung die Landstraße. Rechts im Gebüsch liegt eine Kegelbahn, wo sich oft der Besitzer mit seinen Freunden vergnügt.« Sie ist jetzt verschwunden, das Bauernhaus aber in nahezu alter Gestalt erhalten.