An der nördlichen Seite des Baues windet sich der Weg den Berg hinan. Zur Linken erhebt sich im Gebüsch ein mächtiger Pyramidenbau, der schon auf Langes Plan abgebildet ist, bei Glasewald aber fehlt, und daher auch wohl nicht von ihm herrührt. Es ist eine stattliche Steinpyramide, vor die sich ein dorischer Giebelbau legt ([Abb. 17]). Den großen Innenraum überdeckt ein Kreuzgewölbe. Die an den Seitenwänden befindlichen Nischen sind mit Urnen und Tränenkrügen besetzt. »In diesem Tempel der Erinnerung seiner Entschlafenen pflegt der Graf mit seiner Familie zu speisen – hier feiert er seine Familienfeste.« Auf der nördlichen Seite befindet sich der Eingang zur Gruft, in der sich der Besitzer beisetzen lassen wollte, was aber nicht geschah. Der Bau ist noch heute gut erhalten.

Abb. 18 »Eingang zur Ritterburg« im Schloßgarten zu Machern
(Nach einem Blatte bei Gasch, Kunstantiquariat Dresden)

Zur Rechten der Steinpyramide liegt ein altes verfallenes Schloß, dessen Turm weit über die höchsten Eichen emporsteigt ([Abb. 18]). Vor dieser »alten Ritterburg«, die heute noch gut erhalten ist, steht ein steinerner Tisch mit der Inschrift: »Thylow von Lindenaw 1242«. In einer künstlich gemauerten Felswand dient ein gotischer, wie in den Felsen gehauener Bogen als Eingang zur Burg. Die begleitenden Säulen haben keinen Fuß, »damit sie durch die Zeit eingesunken erscheinen«. Der Felsen ist zum Teil verwittert, überwachsen, »wodurch die Täuschung des Altertums vollendet wird«. Man tritt zuerst in eine Grotte, die nach gotischer Art ebenfalls in den Felsen gehauen erscheint, mit altgotischen Bänken als Ruhesitze der Knappen und Wächter der Burg. Das Gewölbe schließt ein altes Gittertor von einem nur schwach von oben erleuchteten Gang ab, an dessen Ende ein aus Stein gehauener betender Ritter steht. Der »schauerliche Eindruck« wurde früher noch dadurch erhöht, daß beim Eintritt »das eiserne Gittertor von selbst schnell und mit einem Geprassel aufsprang, so daß die Wände furchtbar wiederhallten.« Der Turm besitzt drei Stockwerke, im zweiten Stockwerk liegt der Rittersaal mit dreifach gekuppelten Spitzbogenfenstern mit schönen Glasmalereien. Der Bau der äußeren Turmmauer wurde nach Lange 1795 beendet. Unsre Abbildungen geben Glasewalds Entwurf ([Abb. 19]) und eine alte Zeichnung wieder.

Abb. 19 »Die Ritterburg« im Schloßgarten zu Machern
(Nach: Glasewald, »Beschreibung des Gartens zu Machern«)

Von den erhaltenen Bauwerken ist vor allem noch der Tempel der Hygiea zu nennen, den Glasewald ebenfalls entworfen und in seinem Buche dargestellt hat ([Abb. 20]). Zu beiden Seiten des Tempels stehen in kleineren Nischen zwei Vasen, »die im Dunkeln durch die darin angezündeten Lampen ein sanftes Licht verbreiten und dem Ganzen eine mystische Feierlichkeit geben.«

Abb. 20 Tempel der Hygiea im Garten zu Machern
(Nach einem Blatte bei Gasch, Kunstantiquariat Dresden)

Wir erkennen aus dieser Schilderung, daß auch hier wie im Seifersdorfer Tal Architektur und Plastik die Grundstimmung der einzelnen Gartenteile ergeben. Das Pyramidengrab, die Ruine einer alten Ritterburg, ein Amor, der aus einer Laube, oder eine Nymphe, die aus dunkler Grotte lauscht, eine Köhlerhütte an abgeschiedenem Platz und anderes bestimmen den Charakter. Die Architekturen sind hier reifer durchgebildet und der Stil der Stimmung angepaßt, die sie auslösen sollen. Dazu war nötig, wie es Glasewald ausspricht, darauf zu achten, daß sie nicht auf einmal zu überschauen sind. Dies Prinzip geht klar aus dem alten Grundplan hervor. Der leitende Gedanke ist, den Garten in Einzelteile zu zerlegen, darauf sind die Gehölzpflanzungen zugeschnitten. So treten die Bäume zu dichten, für sich abgeschlossene Gruppen zusammen, ganz ähnlich wie im regelmäßigen Stil, nur sind hier die Wege in krummen Linien gezogen. Die Zusammensetzung der Gehölzpflanzungen ist eine durchaus gemischte, künstlerische Ziele sind schwer erkennbar. Die Zeit hat die Gegensätze, die in den Anpflanzungen gesucht wurden, verwischt, sicher nur zum Vorteil der Anlage. Mit ihrem schönen alten Baumwuchs, den großen beherrschenden Teichen, und den die Stimmung alter Zeit am klarsten überliefernden Bauwerken gehört sie heute zu den schönsten und kunstgeschichtlich wertvollsten Gärten Sachsens aus dieser Zeit.