Das Bautzener Corvinusdenkmal in Gefahr

Von Museumsdirektor Dr. Biehl

Das Denkmal des Königs Mathias Corvinus von Ungarn am Bautzener Schloßturm (von 1486), das mit Recht als eine der großartigsten Schöpfungen spätgotischer Bildnerei in Mitteldeutschland gilt, ist durch Verwitterung und durch die Folgen mangelhafter Restaurierungsversuche früherer Zeiten in seinem Bestand schwer gefährdet. ([Abb. 1].)

Da unter dem Druck der gegenwärtigen trostlosen Verhältnisse leider keine öffentlichen Mittel für seine Wiederherstellung aufgewendet werden können, obwohl die zuständigen Behörden regstes Interesse dafür an den Tag gelegt haben, so sei der Versuch gestattet, im Leserkreise der Heimatschutz-Mitteilungen für eine Hilfsaktion von privater Seite zu werben. Vielleicht ist die Hoffnung nicht zu kühn, daß dem bedrohten Kunstwerke durch das tatkräftige Eingreifen sächsischer Kunstfreunde Hilfe gebracht werden kann. Ich halte es deshalb für nützlich, an dieser Stelle etwas näher auf den jetzigen Zustand des Denkmals einzugehen und einige Vorschläge zu seiner dringend wünschenswerten Instandsetzung zu machen.

Schon eine flüchtige Betrachtung vom Erdboden aus läßt erkennen, daß das Denkmal vielerlei Schäden aufweist. Eine eingehende Untersuchung aus nächster Nähe ergibt, daß das ursprüngliche Sandsteinmaterial an zahlreichen Stellen (insbesondere an Traufstellen) stark zermürbt ist. Die schlimmsten Schäden befinden sich an der rechten Hand und im Haar des Corvinus, an der linken Hand des rechten Engels und an verschiedenen Gewandfalten sämtlicher drei Figuren. Die szeptertragende Faust des Königs ist derart krank, daß leiseste Berührung genügt, um Sandsteinteilchen zum Abbröckeln zu bringen. Die linke Hand des rechten Engels ist durch einen tiefen Sprung bereits teilweise vom Handgelenk getrennt. Es steht zu befürchten, daß schon eine der nächsten Frost- und Tauperioden sie zum Herabfallen bringen wird. Sodann sind die Simse über der Thronnische schwer mitgenommen. Die rechte Ecke des Hauptgesimses über den Säulenkapitellen löst sich in allmählich herabrieselnde Sandkörnchen auf.

Die Ergänzungen, die zu Restaurierungszwecken 1895 gelegentlich der ungarischen Millenniumsfeier aus Draht und Zement am Denkmal vorgenommen wurden, haben sich als nicht haltbar erwiesen. Insbesondere ist das damals ergänzte Szepter des Corvinus wieder auseinander gesprungen, es wird nur noch durch den im Innern befindlichen Draht notdürftig in seiner Lage gehalten. Der Draht liegt stellenweise offen zu Tage und ist stark von Rost zerfressen. Den gleichen Verfall zeigen die Ausbesserungen am Rankenwerk der Gesimskehlen über und unter der Nische und am Kapitell des rechten Nischensäulchens. Kleinere Zementergänzungen, z. B. an Nase und Kinn des Königs, beginnen sich wieder loszulösen. Außerdem ist anzunehmen, daß sich unter der Ölfarbenhaut, welche das ganze Denkmal überzieht und die Feinheiten der Oberflächenbehandlung völlig verdeckt, noch weitere Schäden verbergen. Ohne Zweifel bedarf das Denkmal baldigster gründlicher Restaurierung. Möglicherweise können schon die Einwirkungen des letzten strengen Winters kaum wieder gut gemacht werden. ([Abb. 2] und [3].)

Zunächst scheint es mir geboten, den schädlichen und störenden Ölfarbenanstrich zu entfernen. Das kostbare Werk wird erst dann zu seiner vollen Wirkung gelangen. Natürlich dürfte das Denkmal nicht ohne weiteres im ganzen abgelaugt werden, da bei einem derartigen Vorgehen erfahrungsgemäß auch etwaige noch vorhandene Spuren der ursprünglichen farbigen Fassung vertilgt werden.

Phot. Meister, Bautzen

Abb. 1
Denkmal des Königs Mathias Corvinus von Ungarn am Schloßturm in Bautzen