Abb. 1 Kopf eines heiligen Bischofs vom Peter-Bräuer-Altar zu Steinsdorf i. V.
(Phot. Dr. Bachmann)
Dem gleichen Meister Peter Bräuer muß auch ein Flügelaltar aus der Stadtkirche zu Glauchau zugeschrieben werden, der in den Werkstätten des Landesamtes aus starkem Verfall gerettet wurde. Es ist einer jener sächsischen Sippenaltäre, die zwar künstlerisch nicht eben übermäßig hochstehend, aber doch als Ganzes volkstümlich liebenswürdig empfunden sind. Das Mittelstück zeigt uns die Gestalten der heiligen Anna und der Maria mit dem spielenden Jesuskind. Die Kirche selbst wurde im vergangenen Jahr im Innern durch Kunstmaler Karl Schulz in farbig und monumental gleich gut gelungener Form völlig erneuert.
Abb. 2 Steinsdorf i. V. Taufstein der Kirche
(Phot. Arch. Kandler)
Karl Schulz verdanken wir auch die teilweise farbige Erneuerung der schönen alten Dorfkirche zu Leubnitz bei Dresden. Hier hätte es das Landesamt allerdings lieber gesehen, wenn der Kirchenvorstand seine Fürsorge auch der prachtvollen alten Felderdecke und den wertvollen alten Emporenmalereien zugewendet hätte, da diese Teile besonders erhaltungswert sind und zu ihrem Schutze unbedingt in absehbarer Zeit etwas geschehen muß.
Eine weitere wichtige Aufgabe erwuchs dem Landesamte mit den Erneuerungsarbeiten in der alten Nicolaikirche zu Meißen. Dies hochwertvolle frühgotische Gotteshaus wird zur Zeit unter Leitung der staatlichen Porzellanmanufaktur als Kriegergedächtniskirche ausgebaut und hat nur in dieser neuen Bestimmung vor dem völligen Verfall gerettet werden können. Die Kriegerehrung selbst wird nach Entwürfen und Modellen des Meißner Künstlers Professor Boerner rein in Porzellan hergestellt werden und ein erster Versuch sein, das wertvolle Rohmaterial in monumentalen Ausmaßen auszuformen. Die im Jahre 1867 in der Apsis der Kirche unter dem Wandputz gefundenen Freskogemälde gehören zu den ältesten in Sachsen überhaupt noch vorhandenen Freskomalereien und dürften im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts entstanden sein. Von einer Verkündigungsgruppe, einer Geburt Christi und einer heilige Dreikönigsdarstellung sind größere zusammenhängende Teile erhalten geblieben, die in ihrer edlen Formensprache und dem feierlich strengen Faltenwurf der Gewänder noch heute eindrucksvoll auf jeden Beschauer wirken, in voller Schönheit der Linien und Farben jedoch erst jetzt nach der überaus glücklich gelungenen Konservierung und Reinigung in Erscheinung treten. Karl Schulz hat auch diese schwierige Arbeit in schonendster und sachverständiger Weise durchgeführt. Wird erst noch die schon seit langem in Arbeit befindliche Porzellanschöpfung den Abschluß des Ganzen bilden, so wird die Stadt Meißen um ein Kunstdenkmal reicher werden, das in der ganzen Welt nicht seinesgleichen hat.
Die Friedhofskapelle St. Nicolai in der Stadt Colditz ist ein altes romanisches Bauwerk, das bis in das zwölfte Jahrhundert zurückreichen dürfte. Die Kirche konnte neuerdings, dank opferfreudiger Stiftungen, durch Professor Oswin Hempel durchgreifend erneuert und zur Kriegergedächtniskirche ebenfalls umgewandelt werden. Das kräftige romanische Rundbogentor an der nördlichen Langseite, das in der Achse der von der Stadt heranführenden, baumbepflanzten Allee gelegen ist, wurde durch ein monumentales Reliefbild in Stein nach einem Entwurfe des Dresdner Bildhauers Artur Lange bekrönt ([Abb. 3]), und der Versuch, hier wertvolle alte Formen mit solchen unsrer Zeit und modernen Empfindens zu vereinen, muß als durchaus glücklich gelungen bezeichnet werden. Professor Paul Rößler hat für die Fenster zu Seiten dieser Tür zwei farbenleuchtende Glasgemälde geschaffen, die dem bisher ganz schmucklosen Innenraume nunmehr das bestimmende Gepräge geben. Der einfache Altaraufsatz wurde durch das Landesamt erneuert.
Abb. 3 Kriegerehrung an der Eingangstür der Friedhofskapelle zu Colditz
(Arch. Prof. Oswin Hempel Bildhauer Lange)
Die schöne gotische Michaeliskirche zu Bautzen, die wendisch-evangelische Pfarrkirche, die zusammen mit der alten Wasserkunst eines der malerischsten Bilder der Stadt noch heute bildet ([Abb. 4]), besaß einen hohen Barockaltar vom Jahre 1693, der im Jahre 1892 leider entfernt wurde, um einem der geschmacklosen »neugotischen« Aufsätze dieser Zeit Platz zu machen. Gleichzeitig wurde der ganze malerisch reizvolle Innenraum in schlimmster Weise »modernisiert«. Professor Oswin Hempel erhielt dann nach Kriegsende von der Kirchgemeinde den Auftrag, eine Kriegerehrung im Chor der Kirche zu schaffen. Bei dieser Gelegenheit nahm das Landesamt für Denkmalpflege die schon früher von Cornelius Gurlitt gegebene Anregung der Wiederverwendung des wertvollen Barockaltares auf. Die Planung ist inzwischen in ausgezeichnet gelungener Form ausgeführt worden und der Kirche damit wenigstens ein Teil ihres ehemaligen Stimmungsreizes zurückgegeben worden.