Zu beiden Seiten des Altarplatzes sind unter den Emporen architektonisch straffgegliederte, aber doch in Einzelheiten ornamental bewegte Nischen eingebaut worden, deren Rückwände die edelgeformten Tafeln mit den Namen der Gefallenen tragen ([Abb. 5]). Eine hölzerne Wandverkleidung in vornehm-ruhigen Linien umzieht von den Nischen auslaufend den ganzen Kirchenchor als Heizkörperverkleidung sowohl, wie als Sockel für den mächtig aufstrebenden Altaraufsatz. Holzbildhauer Winde junior in Dresden hat die Schnitzarbeiten geschaffen, durch die Werkstätten des Landesamtes wurden der hohe Altar und der prachtvolle alte Taufstein aufgefrischt und neu aufgestellt.
Abb. 4 Bautzen
Durchgreifend neugestaltet im Innern wurde unter Leitung des Landesamtes und auf Veranlassung des Besitzers die Grabkapelle in der stattlichen Kirche des Dorfes Kürbitz im Vogtlande. Die Herrschaft von Feilitzsch hat seit dem Mittelalter das Patronat der Kirche bis heute innegehabt. Die Kirche, ehemals dem Orden der Deutschritter zugehörig, wurde an Stelle einer älteren im Jahre 1624 von Urban, Caspar von Feilitzsch neu errichtet und konnte sich eine beträchtliche Zahl wertvollster Kunstdenkmäler bis heute bewahren. Zu den schönsten derselben gehören die in der Grabkapelle der Stifterfamilie befindlichen Grabdenkmäler und Epitaphe, die nunmehr teils an Ort und Stelle und teils in den Werkstätten des Landesamtes erneuert wurden.
Abb. 5 Michaeliskirche in Bautzen (Einbau der Kriegerehrung unter den seitlichen Emporen Wiederaufstellung und Erneuerung des alten Taufsteins
(Prof. Oswin Hempel)
Von wertvollen sächsischen Dorfkirchen wurden in der Berichtszeit besonders zwei, die zu Dittmannsdorf bei Flöha und die zu Burkhardswalde bei Meißen umfassend erneuert, beide unter Professor Paul Rößlers bewährter künstlerischer Oberleitung, in trefflicher Anlehnung und Einfühlung in den gegebenen Rahmen. Während in Burkhardswalde die Arbeiten noch nicht zum Abschluß gekommen sind, ist es in Dittmannsdorf der Opferwilligkeit des Patronatsherrn, Fabrikant Sieler aus Chemnitz, zu danken, daß die Erneuerung völlig durchgeführt werden konnte. Die Neuausmalung folgte hier in pietätvollster Form allen erhaltenen alten Farbspuren, und alle vorhandenen Kunstdenkmäler und Reste von solchen fanden Neuaufstellung und Wiederverwendung ([Abb. 6]). So kann die kleine Dorfkirche, die durch einen aus dem Jahre 1492 stammenden, sehr wertvollen Flügelaltar besonders bekannt geworden ist, als Musterbeispiel zeitgemäßer Denkmalpflege heute angesprochen werden.
Die Stadtkirche zu Klingenthal im Vogtlande ist eine der in Sachsen nicht allzuhäufigen Zentralkirchen, die den Einfluß Georg Bährs, des Erbauers der Dresdner Frauenkirche in der Grundrißanlage erkennen lassen. Das bisher ziemlich reizlose Innere des Bauwerkes wurde im Jahre 1922 durch Kunstmaler Otto Lange wirkungsvoll ausgemalt.
Eine der schönsten Dorfkirchen des mittleren Erzgebirges, die kleine, malerisch gelegene Kirche zu Mittweida-Markersbach ist schon vor dem Kriege unter Leitung des Landesamtes erneuert worden ([Abb. 7]). Sie erscheint mit dem Schmucke ihrer kräftig bunten Felderdecke, mit den Emporen, auf denen die ganze biblische Geschichte dargestellt ist, als echter Vertreter bester sächsischer Volkskunst, wie er so unberührt kaum sonst in Sachsen sich erhalten hat. Ein alter, aus katholischer Zeit stammender Marienaltar, zu dem dereinst die Andächtigen von weither wallfahrten, war bisher unbeachtet in einer Dachkammer liegengeblieben. Er ist jetzt in den Werkstätten des Landesamtes erneuert worden und wird in kurzem wieder als neuer Schmuck der Kirche aufgestellt werden. Kein Freund unsrer Heimat und alter sächsischer Volkskunst mag aber versäumen, der von Pfarrer Worm mit vorbildlicher Liebe gepflegten kleinen Kirche einen Besuch abzustatten, wenn ihn der Weg einmal in diese Gegend des Fichtelberges führt. Er wird für einen kleinen Umweg auf das reichlichste belohnt werden.