Auch von einigen anderen Museen ist trotz der Not unsrer Tage Erfreuliches zu melden. So ist die Umgestaltung des Ortsmuseums der Stadt Zittau zu einem vorläufigen, glücklichen Abschluß gekommen, nachdem die Räume im alten Franziskanerkloster, vor allem das Refektorium im Erdgeschoß und der ehemalige schöne Bibliothekssaal im zweiten Stock durchgreifend erneuert wurden. Ganz besonders stolz kann auch die Stadt Plauen im Vogtlande auf das in den letzten Jahren geleistete sein. Ihr neues Ortsmuseum ist als mustergültige Schöpfung zu begrüßen, dank dem Opfersinn der städtischen Behörden und einzelner Stifter. Der weiter geplante Ausbau wird das »Vogtländische Kreismuseum« zweifellos in die Reihe der führenden Ortsmuseen Sachsens stellen, dank vor allem des als Rahmen gegebenen Gößmannschen Hauses mit seinen schönen Räumen. Auch der Neubau des Plauener Rathauses ist nunmehr nach Stadtbaurat Goettes Plänen und unter seiner Oberleitung in hartem Kampfe mit allen widrigen Zeitumständen glücklich und eindrucksvoll beendet worden. Besondere Teilnahme wurde dabei dem alten Rathause zuteil, dessen hohe Giebelseite in monumentaler Schönheit den Marktplatz beherrscht, im farbenfrohen Schmucke der alten Kunstuhr, die der Stadtrat nach Paul Rößlers Angaben durch die Werkstätten des Landesamtes wiederherstellen ließ ([Abb. 10]).
(Phot. Dr. Bachmann)
Abb. 9 Schloß Augustusburg Tür und Kaminwand im »Hasensaal«
Schwierig hat sich für manch anderes der kleinen Ortsmuseen im Lande die Lage nach dem Kriege gestaltet. Viele wurden durch die Wohnungsnot obdachlos, andere wieder haben aus Mangel an Mitteln und Interesse schließen müssen, sehr zum Schaden natürlich der nun irgendwo pfleglos aufgestapelten Kunstgegenstände, die nunmehr Rost und Holzwurm schutzlos ausgeliefert sind. Bei solcher Lage der Dinge kann kleinen Museen nur geraten werden, ihre wertvollsten Kunstdenkmäler vorläufig einmal an benachbarte große Stadtmuseen leihweise abzugeben bis auf bessere, kommende Zeiten, bei Gegenständen kirchlicher Kunst aber möglichst die Wiederaufstellung am Ursprungsort anzustreben. Das wird zumeist heute, wo das Verständnis für solche Dinge gewachsen ist, leichter durchzuführen sein als in früherer Zeit. Die Landesberatungsstelle für Ortsmuseen, die dem Landesamte angegliedert ist, steht in solchen Fällen stets mit Rat und Hilfe zur Verfügung.
Postmeilensäulen konnten in der Berichtszeit mehrere ausgebessert werden, so in Königstein, Pegau, Elterlein, Frankenberg, Radeburg und Öderan. In allen diesen Fällen hat das Landesamt beratend und mit Beihilfen bei der Erhaltung der wertvollen Stücke mitgewirkt.
Ein rechtes Sorgenkind der staatlichen Denkmalpflege ist der Zwinger in Dresden geworden. Durchweg in Sandstein erbaut, sind seine reichbelebten Gliederungen, seine empfindlichen Einzelheiten dem Großstadtklima nicht gewachsen geblieben. Dazu kommt noch, daß die Erbauer, wie die genauen Untersuchungen bei den jetzigen Erneuerungsarbeiten immer wieder erkennen lassen, recht leichtsinnige, man ist versucht zu sagen gewissenlose Unternehmer waren. Wenn hierbei auch vieles der schlechten Erhaltung auf Kosten möglichst schneller Ausführung zu setzen sein wird, König August wird gewiß unermüdlich seinen Architekten auf Vollendung gedrängt haben, so ist damit doch kaum zu entschuldigen, daß riesige Sandsteinblöcke von vielen Zentnern Gewicht nur durch ein paar kurze Eisenstifte verankert waren, daß hinter den glänzenden Schauseiten aller nur denkbarer Bauschutt, Holzstücke und dergleichen als Hinterfüllung vermauert wurden. Ein zufälliger kleiner Erdstoß würde sicherlich in den letzten Jahren genügt haben, große Teile der unersetzlich wertvollen Anlage zum Einsturz zu bringen. Man hatte schon 1880 in bester Absicht begonnen, verwitterte Teile des Schmuckes an Figuren, Vasen und Profilen in Zement zu ergänzen und dann das ganze Gebäude mit einer »Schutzschicht« von Ölfarbe überzogen. Heute wissen wir, daß gerade diese Maßregeln den weiteren Verfall beschleunigt, statt zum stehen gebracht haben.
Abb. 10 Rathaus Plauen i. V. Vor dem Umbau
Die Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler kam im Jahre 1898 nach Gehör einer Reihe gutachtlicher Äußerungen, auch solcher aus dem Ausland zu dem Beschluß, »daß weder eine Verwendung von Zement, noch ein anderes Material als nur lediglich bester witterungsbeständiger Sandstein bei Renovationen in Frage kommen solle.« Nach diesem Grundsatz ist in den nun folgenden Jahren verfahren worden, zumal in den letzten beiden Jahren, wo sich die dringende Notwendigkeit ergab, vor allem den herrlichen Wallpavillon vor völligem Ruin zu erretten. Die Kosten für diese Arbeiten bildeten allerdings eine denkbar schwere Belastung für den Staat, selbst wenn man berücksichtigt, daß damit einer ganzen Anzahl von Steinmetzen und Bauarbeitern produktive Tätigkeit gegeben werden konnte. Es wurden dabei sorgfältigst alle verwitterten Teile ausgespitzt und gefährdete Figuren ganz oder teilweise ergänzt, alles unter Leitung des Landbauamtes I und der künstlerischen Oberaufsicht des Dresdner Bildhauers Georg Wrba. Vor allem wurden die alten Ölfarbenanstriche durch Ablaugen überall entfernt, so daß der uneingeweihte Beschauer wohl glauben kann, gänzlich neues Mauerwerk vor sich zu sehen ([Abb. 11]).