Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden

Abb. 11 Die Hoflößnitz vom Weinberg aus gesehen

Abb. 12 Die Hoflößnitz
nach dem Titelbilde zu J. P. Knohllen Kleinem Vinicultur-Büchlein 1667

Diese beiden Zimmer des Kurfürsten, die heute weiter keinen gerade behaglichen Eindruck machen, waren einst sehr wohnlich eingerichtet. Weiche, blaugelbe Teppiche bedeckten den Boden. Für Tische mit kostbaren Tischdecken und lederbeschlagene Stühle war reichlich gesorgt. Schöne silberne Leuchter standen auf den Tischen und hingen an den Wänden. Auch waren zwischen den Gemälden zierliche Rehköpfchen in Menge befestigt. Namentlich konnte man sich in dem Schlafzimmer wohl fühlen. Schwere, grüne, geblümte Damastvorhänge mit Spitzen und silbernen Fransen wehrten dem eindringenden Tageslichte. Das mit weichen Polstern, Kissen und Decken verschwenderisch ausgestattete Bett stand unter einem ebenfalls aus grünem Damast hergestellten Betthimmel. Alles, was der Kurfürst zu seiner Bequemlichkeit brauchte, war da: ein Waschtisch mit dem nötigen Geschirr, ein Schreibtischchen mit eigenartigem Schreibzeug und Abreißkalender, ein Fernrohr, damit er gleich früh beim Aufstehen die herrliche Aussicht aus seinen Fenstern genießen konnte, usw. Ja, selbst ein gründamastener Schlafrock mit silbernen Besätzen und Knöpfen nebst dazu passender Nachtmütze fehlten nicht! Zum Überflusse stand noch in dem Raume, gewissermaßen unter persönlicher Aufsicht des Kurfürsten, ein Glasschrank mit allerhand Kunstwerken, die heute zum Teil im Grünen Gewölbe aufbewahrt werden: aus Holz, Elfenbein und Edelmetallen gebildete Winzer und Winzerinnen, ein silbernes Fäßlein mit dem Bacchus darauf, Schalen, Gläser und Krüge der verschiedensten Arten.

Die entsprechenden Zimmer auf der andern Seite des Saals waren für die Kurfürstin bestimmt. Die Decken dieser beiden Gemächer sind einheitlich mit pausbäckigen und rundgliederigen Genien bemalt, die Blumen in ihren dicken Händchen halten. Auch die Wände der Schlafstube sind unten herum mit sechzehn Amoretten und allerhand Obst- und Blumenornamenten geziert, während oben herum zwölf Amazonenbrustbilder laufen. Der Wandschmuck des Wohnzimmers spielt, teilweise wenigstens, auf den Namen der ersten Kurfürstinnen an, die hier wohnten oder wohnen sollten. Da nämlich sowohl Johann Georgs I. beide Gattinnen, als auch Johann Georgs II. Gemahlin Sibylla hießen, wählte der Künstler für die Felder über dem Simse die zwölf römischen Sibyllen, während er unten herum neun Künste und Wissenschaften (Arithmetik, Musik usw.) in Putten verkörperte. – Auch diese Zimmer waren natürlich mit Fenstervorhängen, Teppichen und verschiedenartigem Hausrat ausgestattet, wenn auch viel einfacher, als die des Kurfürsten. Hervorgehoben seien ein auf Leinwand gemaltes »Fastnachtsspiel« und ein ebenfalls gemaltes »Königsspiel« (Schachbrett).

Abb. 13 Die Hoflößnitz Eingang zum Festsaal
Aufnahme von J. Ostermaier, Dresden-Blasewitz

Der beiden prächtigen, vasengekrönten Majolikaöfen in den beiden Wohnzimmern sei noch besonders gedacht. Der weiß-grüne im Zimmer der Kurfürstin zeigt als Verzierung der (weißen) Kacheln Blumen und Fruchtgehänge, der blau-weiße des Kurfürsten (s. [Abbildung 14]) Feuersalamander und Ignis (Feuer) in höchst eigenartiger Darstellung.