So ist die Hoflößnitz heute wieder der Mittelpunkt des Sachsenweinbaues geworden, zunächst nicht in Festen wie einst, aber in froher Arbeit und – den kommenden Festen, wie sie 1924 erstmalig der Lößnitz und ganz Sachsen wiedergegeben werden sollen.
Aufnahme von Kurt Nierich, Naundorf-Kötzschenbroda
Abb. 7 Weinbergsgelände um Schloß Seußlitz
Wer heute von Dresden nach Meißen fährt, sieht schon von Ferne die einfachen Neuanpflanzungen der einst kahlen Rebhügel. Da sehen wir von Radebeul abfahrend »Haus in der Sonne«, eine der jüngsten, erst ins vierte Jahr laufende Rebenpflanzung des Herrn Prof. Dr. Hammitzsch, Oberlößnitz, unten die schon ältere Pflanzung des Börnerschen Bennoschlößchens, dann die Bergspitze belebend die Barthsche Neupflanzung; jene von Krause, Wahnsdorf, und das Spitzhaus mit Bismarckturm säumend die großen Neupflanzungen der aus der Weinbaugesellschaft hervorgegangenen Genossenschaft, die schon tragfähige große Anlage des Herrn Oberingenieur Moß, daneben die des Bankbeamten Domaschke und darunter, um das Hoflößnitzschlößchen die Versuchsweinberge der Versuchs- und Lehranstalt Hoflößnitz. Etwas zurückgetreten breitet sich der große, im Jahre 1912 begonnene Weinbergbesitz Dr. Goldschmidts aus, während uns am Friedstein, nachdem wir die Jungpflanzung der Sektkellerei Bussard gesehen haben, die große Jungpflanzung des Herrn Michaelis grüßt. Dann folgen die mit viel Mühe geschaffenen Kleinanlagen Müller, Geneus, Postsekretär Börner, Max Schumann, die sich nun an die Musterweinkulturen Schloß Wackerbarths Ruhe des Herrn Dr. Tiedemann anlehnen und die den ehemaligen Max Böhmeschen Besitz umfassen. Hier sehen wir nicht nur den neuzeitlichen Weinberg, sondern finden auch die in moderner Kellerwirtschaft geführte Weinkellerei, deren Weine auch bei süddeutschen Konkurrenzen mit Glanz bestanden haben.
Angereiht liegt der aus dem Niedergang des Weinbaus erfolgreich durchgehaltene Weinberg des Schlosses Johannishof, Naundorf, den Herr Fabrikbesitzer Nacke mit gutem Riesling bepflanzt hat. Hier bietet der Keller noch alte Jahrgänge bis zum 1889er, der einem guten Rüdesheimer nichts nachgibt. Ganz im verborgenen Winkel, den Kroatengrund durchwandernd, liegt noch manch kleines Weinberglein, aber auch der noch durchgehaltene Weinberg unseres alten Vater Carl Mitzschke, der diese Weine in seinen Weinstuben darreicht. Auch Mieths Weinstuben aus alter Zeit, nicht weit entfernt, sind als Zeugen alter Kultur erhalten geblieben. Neues Leben zeigt sich auch in der Nähe der Friedensburg und der Sängerhöhe.
Aufnahme von P. Georg Schäfer, Dresden
Abb. 8 Parkmauer des Grundstücks »Johannisberg« an der Johannisbergstraße Naundorf-Kötzschenbroda
Nach Zitzschewig und Weinböhla hat sich inmitten alter Weinkulturen der neue Weinbau reichlich Eingang verschafft. An den Bergen entlang beginnen neue Hügel mit Jungpflanzungen am Holk von Rittergutsbesitzer Richter, Baselitz, bis hin nach Freibar mit seinen zahlreichen Kleinpflanzungen, den Bergen des Rittergutes Saußlitz, Frau von Harck, Baumeister Wachs und Baumeister Bahrmann mit seiner bekannten Kellerwirtschaft und der Schloßberg Saußlitz, jetzt in Bewirtschaftung von Herrn Major Freude, Weingut Rote Presse, Sörnewitz.