Doch als ich meine Bitte wiederholte, ließ sie mich gehen: „In Gott’s Nam, muaß i mir halt wieder um jemand schaun!“
Also verließ ich Mitte Dezember meinen Dienst, begleitet von den Segenswünschen der ganzen Familie, die mich vor meinem Scheiden noch reichlich beschenkt hatte. Ich konnte mich der Tränen nicht erwehren, als ich einem nach dem andern die Hand gab, und es waren nicht die angenehmsten Empfindungen, mit denen ich mich auf den Heimweg machte.
Als ich etwa eine halbe Stunde Wegs zurückgelegt hatte, kam ein Fiaker hinter mir her. Ich rief ihn an, ob er mich fahren wolle, und als er dies bejahte, stieg ich ein und fuhr nach Hause.
Daheim rannte alles ans Fenster, als ich so nobel angefahren kam, und der Vater meinte, als ich ihn begrüßte: „Du kommst ja daher wie a Prinzessin; ma kennt di kaam mehr!“
Als ich aber mein Erspartes und die geschafften Sachen alle sehen ließ, verstummte er völlig und auch die Mutter war starr vor Staunen. Ich sagte, indem ich das Geld wieder verwahrte: „Dös Geld trag i auf d’Sparkass’ und mei Wasch heb i mir auf, bis i heirat. Wer woaß, ob i mir net no was dazu verdean!“
Die Mutter verstand wohl, wie ich das meinte; denn sie sagte sofort: „Oho! Möchst net scho wieder davolaufa, kaum’st komma bist! Zum Aushaltn werd’s scho sei dahoam; i leg dir nix mehr in Weg!“
Auch der Vater versprach mir, daß man mich gut halten wolle, und ich dankte ihm von Herzen. Vergessen war jetzt für mich alles, was einmal geschehen, und ich freute mich wieder des Elternhauses und ging munter an die Arbeit. Ich war jetzt auch wohl gelitten im Hause und niemand gab mir ein unrechtes Wort; ich wirtschaftete wieder wie vorher und gab selber auch keinen Anlaß zum Tadel.
So verging der Winter, und mit dem Eintritt des Frühjahrs standen in der Nachbarschaft zwei Neubauten unter Dach, was für die Bauleute die Veranlassung zu einer großen Feier war, die, ein altes Herkommen, als Hebebaum- oder Hebeweinfeier bekannt ist und wobei oben am First des Neubaues ein mit bunten Bändern gezierter Tannenbaum aufgepflanzt wird. Alle am Bau Beschäftigten begeben sich auf den Dachstuhl und einer unter ihnen hält nun eine feierliche Ansprache, in der er dem Bauherrn, dem Eigentümer und dem Palier für den Verdienst dankt und sie alle einzeln mit einem dreifachen Hoch ehrt. Inzwischen hat der Wirt ein Faß Bier und Krüge hinaufschaffen lassen, und nun nimmt ein jeder seinen gefüllten Krug und stimmt laut in das Hoch des Redners ein; denn der Brauch will, daß man die Bauherren durch den Trunk ehre.
In der Wirtschaft wird mittlerweile groß aufgekocht; denn der Eigentümer hat zwei Schweine und ein Kalb für die Bauleute gestiftet, während in der Schenke fünf Hektoliter Bier, ein Geschenk des Bauherrn, bereit stehen. Dazu gibt der Wirt noch etliche hundert fette Maurerloabi, ein grobes, sehr würziges Brot, sowie für jeden der Bauleute zehn Zigarren.
Bald füllt sich das Lokal und nicht lange währt es, so geht es an ein Essen und Trinken, an ein Singen und Scherzen, daß man sich in eine Bierbude des Oktoberfestes versetzt glaubt.