»Rudolf!« sagte sie. »Ich schick' dir jetzt den Herrn Demba. Bitte, nimm ihn gleich vor. Er hat sich Brandwunden an den Händen zugezogen. – Ja. – Also er kommt gleich.« – Sie legte das Hörrohr fort. »So, Herr Demba.«

»Ich bin eigentlich nur gekommen –«; Demba schluckte und suchte nach Worten. »Ich wollte Sie bitten, gnädige Frau, ob ich nicht mein Monatssalär schon heute, trotzdem noch nicht der Erste ist, weil ja –«

Er hielt verlegen inne. Frau Dr. Becker dachte ein wenig nach, und griff dann wieder nach dem Hörrohr.

»Du, Rudolf! Geh bitte, gib dem Herrn Demba seinen Monatsgehalt, wenn er kommt. Achtzig Kronen. Sei so gut, ja? Ich hab' mein Portemonnaie nicht bei der Hand.«

Geschlagen auf der ganzen Linie verließ Demba das Zimmer.

Im Vorzimmer standen noch zwei von den Kindern. Das eine hatte die Vorhölle des Gewaschenwerdens bereits hinter sich, hielt ein Butterbrot in der einen, einen Apfel in der andern Hand. Der kleine Bub neben ihm horchte unruhig nach der Küche hin. Jetzt sollte offenbar die Reihe an ihn kommen. Mit einem Male raffte er seine beiden Bündel Schuhriemen vom Fußboden auf, öffnete rasch die Wohnungstür und machte sich aus dem Staub.

Hinter ihm schlich Demba lautlos zur Tür hinaus.

Beide rannten die Treppe hinunter. Im ersten Stockwerk blieb Demba stehen, riß das Taschentuch von der Hand herunter und versuchte, es in die Tasche zu stopfen. Als ihm dies nicht gleich gelang, schleuderte er es mit einem Fluch zu Boden.

15

Dr. Rübsam war als erster gekommen. Er hatte nicht lang' warten müssen. Es regnete in Strömen, und früher als sonst fanden sich die andern zu der allabendlichen Bukidominopartie ein. In dem kleinen reservierten Zimmer des Café Turf, in das man durch eine sorgfältig verhängte und von einem Pikkolo bewachte Tür eintrat, saßen heute elf Personen.