»Genau so sieht er aus,« sagte Dr. Fuhrmann und trank sein Bierglas leer.

Demba hatte die beiden flüstern gehört und wurde blutrot. Er wußte ganz genau, wovon jetzt die Rede gewesen war. Daß er Sonja nachlaufe und daß sie nichts von ihm wissen wolle, hatte der Weiner dem andern natürlich anvertraut und darüber moquierten sich jetzt die Beiden. Nein, diese Meinung, daß er Sonjas wegen hergekommen sei, durfte er keinesfalls aufkommen lassen. Dieser lügenhaften Behauptung mußte sofort auf das Entschiedenste entgegengetreten werden. Sonjas wegen? Lächerlich! Davon kann doch wirklich keine Rede sein. Zufall, verehrter Herr Weiner! Reiner Zufall, lieber Horvath! Bin übrigens erfreut, Sie hier zu treffen, lieber Horvath –

Demba erhob sich.

»Bin erfreut, hier Gesellschaft zu treffen. Habe viel von diesem Gasthaus gehört, es soll ja eine ausgezeichnete Küche führen,« sagte er zu Georg Weiner gewendet in jenen wohltönenden Redewendungen, deren er sich zu bedienen pflegte, wenn er mit den Eltern seiner Zöglinge sprach. »Bin nämlich gezwungen, häufig außer Haus zu speisen. Jawohl, beruflich gezwungen,« erklärte er mit Nachdruck und blickte dabei kampfbereit Horvath an, als befürchtete er von dieser Seite Widerspruch. »Küche und Keller dieses Etablissements werden allerorts gelobt. Genießt in der Tat ein vorzügliches Renommee,« versicherte er dem Dr. Fuhrmann.

Dr. Fuhrmann sah zuerst seine beiden Freunde, dann Demba an, schüttelte den Kopf und vertiefte sich achselzuckend in sein Abendblatt. Weiner und Horvath wußten nicht, was sie auf diesen Erguß erwidern sollten und lächelten verlegen. Die Theaterelevinnen kicherten in ihre Teller hinein.

Demba aber hatte es sich in den Kopf gesetzt, alle Anwesenden davon zu überzeugen, daß er durchaus nicht Sonjas wegen, sondern nur des guten Essens halber hergekommen sei. Er bestand darauf, die Sache allen klarzumachen und redete eigensinnig weiter.

»Die vorzügliche Qualität der Speisen, die der Wirt bietet, bildet seit Wochen überall das Tagesgespräch. Von allen Seiten hört man nur Lob über –«

Er brach jäh ab. Der Kellner stand vor ihm und hielt ihm die Speisekarte hin.

»Speisen gefällig?«

»Später! Später!« stotterte Demba in höchster Verlegenheit und warf einen erschrockenen Blick auf Georg Weiner. »Kommen Sie später. Ich pflege doch nie vor neun Uhr abends zu nachtmahlen.«