Er starrte in die Luft und dachte angelegentlich über die Dringlichkeit der Erfindung eines elektrischen Hebekrans nach, der die Speisen unter völliger Ausschaltung der Hände direkt vom Teller in den Mund befördern sollte.

»Zu trinken gefällig? Bier oder Wein?« fragte der Kellner.

Trinken! Ja, bei Gott, trinken mußte er endlich. Die Zunge klebte ihm am Gaumen und die Kehle brannte ihm wie Feuer. Lieber Gott, nur einen Schluck Bier, nur einen einzigen, kleinen Schluck! Aber es ging ja nicht, die Leute dort sahen alle her. Ein Knockabout fiel ihm ein, den er einmal in einem Varieté gesehen hatte. Der hatte ein volles Bierglas mit den Zähnen erfaßt und in die Höhe gehoben, und es geleert, ohne einen Tropfen zu vergießen. Er sah ihn ganz deutlich vor Augen, er erinnerte sich sogar an den Applaus. Händeklatschen in allen Rängen, bravo, bravo, bravo! Ob er es nicht auch so versuchen sollte. Vielleicht einen Scherz vorgeben, eine Wette – »erlauben Sie, daß ich ihnen ein kleines Kunststück vorführe, meine Herrschaften, – ein Kunststück mit einem vollen Bierglas – sehen Sie: so.« – Bravo, bravo, bravo! Alles applaudiert.

Nein. Es ging nicht. Er wagte es nicht. Und der Durst war unerträglich. Hilfesuchend blickte er umher. Dort führte gerade Dr. Fuhrmann sein Glas zum Mund. Auf einen Zug trank er es leer. Wie gut es ihm schmeckte. Ein alter Couleur. Und er, Demba, mußte dasitzen und zusehen mit ausgetrockneter Kehle.

Mit einem Mal kam ihm die Erleuchtung.

Warum war ihm das nicht schon früher eingefallen! Ein so einfacher Gedanke! Und den ganzen Tag hatte er sich vom Durst quälen lassen!

»Kellner!« rief Demba. »Bringen Sie mir ein Glas Bier mit einem Strohhalm darin.«

»Wie, bitte?«

»Ein Glas Bier mit einem Strohhalm darin!« rief Demba und wurde ganz erbost, weil der Kellner nicht gleich begriff, was er wollte. »Gehen Sie und bringen Sie mir es doch endlich! Sie tun ja, als ob noch nie zuvor jemand ein Glas Bier mit einem Strohhalm darin bestellt hätte!«

Kopfschüttelnd ging der Kellner und brachte das Bier mit der resignierten Miene eines Mannes, der an die absonderlichsten Launen seiner Mitmenschen gewöhnt ist und den nichts mehr wundert.