»In Petersburg!« rief er heftig. »Da kämen Sie schön an, wenn Sie dort versuchen wollten, Ihr Bier ohne einen Strohhalm zu trinken. Es verstößt geradezu gegen den guten Ton, das Glas direkt an den Mund zu setzen!«
Petersburg schien ihm jedoch noch nicht entlegen genug zu sein. Es konnte ja ganz gut einer von den Leuten dort gewesen sein. Das eine von den Mädchen, das sah mit ihren kurzgeschnittenen Haaren beinahe aus, wie eine Russin. Kurz entschlossen verlegte er die seltsame Zeremonie des Strohhalms ein Stück weiter und diesmal in eine Gegend, die ganz sicher außerhalb des Bereiches einer Kontrolle lag.
»Eigentlich stammt der Brauch aus Bagdad,« erklärte er. »In Bagdad und Damaskus können Sie an jeder Straßenecke und vor den Moscheen Araber dutzendweis' sehen, die ihr Bier durch einen Strohhalm trinken.«
Er war in diesem Augenblick völlig durchdrungen von der Wahrheit seiner Behauptung. Kampflustig blickte er von einem zum andern, bereit, mit jedem anzubinden, der etwa einen Zweifel zu äußern wagen sollte. In seinem Geiste sah er wahrhaftig einen Türken, der den Turban auf dem Kopfe in seinem Laden, zwischen Warenballen hockend, statt des Tschibuks beschaulich einen Strohhalm schmauchte.
»Also die Araber trinken Bier? Sehr gut!« sagte Horvath lachend. »Ethnographie: Nicht genügend.«
Diese Anspielung auf seinen Hauslehrerberuf brachte Demba aufs äußerste in Harnisch. Er blickte Horvath aus zusammengekniffenen Augen feindselig an und sagte giftig:
»Überhaupt. Man grüßt, wenn man in ein fremdes Zimmer kommt. Verstanden? Merken Sie sich das.«
»He? Wie meinen Sie?« fragte Horvath erstaunt.
Demba erschrak! Was hatte er denn schon wieder angestellt. Er hatte doch den Vorsatz gefaßt gehabt, bescheiden, höflich und liebenswürdig zu sein, um die Sympathien aller Anwesenden für sich zu gewinnen. Und jetzt hatte er Horvath gegen sich aufgebracht, und wenn Sonja kam, würde sie ihn mit allen zerstritten, in den Hintergrund gedrängt und aus jedem Gespräche ausgeschaltet vorfinden. Nein. Er mußte seine Unüberlegtheit wieder gut machen, mußte aufstehen, sich entschuldigen.
Er stand auf.