Demba gab keine Antwort und dieses Schweigen machte ihn noch furchtbarer. Doch in Wirklichkeit blickte er mit einem Gemisch von Staunen und Ratlosigkeit in den Tumult, den er nicht begriff. Warum schrie Sonja? Und was trieben die anderen? Wollten sie sich über ihn lustig machen? War das alles verabredet? Gehörte es zu den Scherzen, die man eben noch mit ihm getrieben hatte?

Er stand, regte sich nicht und wartete.

»Stanie! Das ist ja Wahnsinn! Gib den Revolver weg!« bat Sonja mit verstörtem Gesicht.

Den Revolver? Wie, zum Kuckuck, kam Sonja auf den Gedanken, daß er einen Revolver habe? War das ihr Ernst? Er mußte es erproben.

Dr. Fuhrmann war der einzige, der den Kopf nicht ganz verloren hatte. Er stellte sich, als sähe er die Gefahr nicht. Er gab sich ganz arglos und unbefangen, trank gemächlich seinen Wein aus und griff nach seinem Hut.

»Also, gehen wir, meine Herren!« schlug er in gleichgültig klingendem Ton vor. »Auf was warten wir noch? Zahlen können wir auch draußen.« – Er wollte zur Tür.

»Zurück!« rief Demba. Er rief es sehr zaghaft und erst nach einigem Zögern. Denn natürlich, jetzt wird der Spaß ein Ende haben, jetzt werden sie alle anfangen zu lachen und zu brüllen, so wie vorhin. Demba reute es, daß er »zurück« gerufen hatte und er hätte sich ohrfeigen mögen.

Aber nein! Keiner lacht. Und – wie sonderbar – der Mensch dort gehorcht. Er bleibt stehen. Er geht zurück, Schritt um Schritt, wie ein Hund, dem man die Peitsche zeigt. Ja, wahrhaftig, er hat Angst vor der Waffe, vor dem scharfgeladenen, sechsläufigen Revolver.

Nein, sie spielen alle nur Komödie. Gut ausgedacht, schlau eingefädelt, damit sie mich wieder zu ihrem Narren machen und verlachen können. Oder nicht? Die Mädchen dort in der Fensternische machen so entsetzte Augen, das kann doch nicht Verstellung sein. Und der Mensch da zittert, ja, die Hände zittern ihm. –

Die erstaunliche Tatsache, daß Dr. Fuhrmann vor ihm zitterte, verwirrte Demba mehr noch als die Trunkenheit und der Haß. Er verbiß und verstrickte sich in den Gedanken, daß er eine Waffe schußbereit in Händen hielt, und erprobte, zögernd vorerst und ängstlich, die Gewalt, die ihm über die anderen gegeben war.