Er sank sogleich zurück. Seine Glieder waren zerschmettert und aus einer Wunde am Hinterkopf floß Blut.
Nur seine Augen wanderten. Seine Augen lebten. Seine Augen irrten ruhelos durch die Straßen der Stadt, schweiften über Gärten und Plätze, tauchten unter in der brausenden Wirrnis des Daseins, stürmten Treppen hinauf und hinunter, glitten durch Zimmer und durch Spelunken, klammerten sich noch einmal an das rastlose Leben des ewig bewegten Tages, spielten, bettelten, rauften um Geld und um Liebe, kosteten zum letztenmal von Glück und Schmerz, von Jubel und Enttäuschung, wurden sehr müde und fielen zu.
Die Handschellen waren durch die Gewalt des Sturzes zerbrochen. Und Dembas Hände, die Hände, die sich in Angst versteckt, in Groll empört, im Zorn zu Fäusten geballt, in Klage aufgebäumt, die in ihrem Versteck stumm in Leidenschaft gezittert, in Verzweiflung mit dem Schicksal gehadert, in Trotz gegen die Ketten rebelliert hatten, – Stanislaus Dembas Hände waren endlich frei.
Die dritte Kugel
Roman. 5. Auflage
Geheftet 5 M., gebunden 8 M.
Kölnische Zeitung: Das in bewegter Handlung, die doch nicht grob nach alten Schablonen das Abenteuerliche zusammenstoppelt, sich aufbauende Werk ist geradezu meisterhaft im Sinne der dargestellten Zeit empfunden. Reiche kulturgeschichtliche Studien sind künstlerisch lebensvoll verarbeitet, an keiner einzigen Stelle macht sich trockene Schilderung geltend, … kein Geschenkbuch für junge Damen, sondern ein solches für Männer, und zwar ein richtiges Meisterstück.
Wiener Allgemeine Zeitung: In schlaflosen Nächten, die einem dieser Krieg so freigebig und überreichlich beschert, mag unter tausend wichtigen und unwichtigen Fragen, die einen bedrängen und für die man doch nie eine Antwort gewußt, auch diese aufgetaucht sein: Wie wird das Buch dann beschaffen sein, später, nachher, wenn alles vorüber ist?… Nun ist der Krieg noch gar nicht zu Ende – aber das Buch ist schon da. Es heißt »Die dritte Kugel«, und der es geschrieben, ist ein neuer, ein unbekannter Mann und heißt Leo Perutz. Ein Buch, das einen überrascht, das einen überrennt, das nicht zart und sanft, wie es oft üblich war, um den Leser wirbt, ein Buch, das packt, festhält und überhaupt nicht mehr losläßt. Auch dann nicht, wenn man längst damit zu Ende ist. Und das ist das Beste, was man dem Buch nachsagen kann, das nicht nur ein neuer Mann geschrieben hat, das auch einer neuen Zeit angehört … Kein Buch für Frauen; eines für Männer. Vor allem eines, das im ganzen deutschen Schrifttum kein Zweiter zu schreiben imstande wäre.
Außerdem erschien:
Leo Perutz und Paul Frank