»Mir scheint, ja. Ich erinnere mich.« Herr Prokop blies aus seiner Pfeife eine Rauchwolke in die Luft. »Wie hat er denn nur g'schwind geheißen?«

»Cyrus,« sagte Demba, dem im Augenblick kein anderer Name als der seines Feindes von heute morgen einfiel. Herr Prokop klopfte eben seine Pfeife aus, und dieser Moment mußte rasch ausgenützt werden.

»Cyrus. Richtig,« sagte Herr Prokop. »Komischer Name für einen Hund. Also selig im Herrn entschlafen? Na, mein Beileid. Aff, jetzt hör' auf, zu heulen. Geh' hinein, dein Essen ist kalt geworden.« Er gähnte. Nach Tisch wurde er immer schläfrig. »Überhaupt. Hast du denn kein Bureau heut nachmittag?«

Steffi stand auf, glättete ihre Schürze und warf einen verstohlenen Blick auf Dembas Hände, die gerade wie Füchse in ihren Bau unter die Pelerine zu verschwinden im Begriffe waren. Dann ging sie ins andere Zimmer. Die Tür blieb offen, und Geruch von gekochtem Rindfleisch und zerlassener Butter drang herein.

Jetzt stand Demba auf und betrachtete allerlei Nippes, die auf der Kommode standen. Den Gnomen mit dem weißen Patriarchenbart, der einen roten Fliegenpilz als Regenschirm benützte, die Katzenfamilie aus Porzellan und das Araberzelt mit dem Dattelbaum, ein Kunstwerk, das Steffis Vater aus Korkstöpseln hergestellt hatte. Der alte Prokop liebte Arbeiten dieser Art. Ein Nähzeugschränkchen, das ganz aus alten Zündhölzchenschachteln angefertigt war, befand sich auch im Zimmer und an der Wand hing ein Kaiserbild aus gebrauchten Briefmarken.

»Aff, geh, bring' mir mein Bier herein!« befahl jetzt Herr Prokop. »Ich hab's auf dem Tisch stehen lassen.«

Steffi brachte das Bier. Er trank das Glas leer und legte die Pfeife fort. Dann drehte er sich mit dem Gesicht der Wand zu. Ein paar Minuten später war er eingeschlafen.

Jetzt schlich sich Steffi auf den Fußspitzen zu Stanislaus Demba.

»Stanie! Was machen wir jetzt! Um Gottes willen, was machen wir jetzt!«

»Ich hab' mich doch gut herausgelogen. Meine sechsundneunzigste Lüge seit heute morgen,« meinte Demba.