Steffi Prokop begann von neuem zu schluchzen.

»So ein Unglück! So ein Unglück!«

»Aber wein' doch nicht!« sagte Demba unwirsch. »Das hat gar keinen Sinn. Wir müssen es nochmals versuchen.«

»Es geht nicht. Es wird nicht gehen. Ich hab' gefeilt und gerieben, bis ich nicht mehr hab' können, und die Kette ist genau so geblieben, wie sie war. Sie läßt sich nicht durchfeilen. Sie muß aus einem besonderen Stahl sein. Was machen wir jetzt, Stanie?«

»Wein' doch nicht! Hör' auf zu weinen. Du wirst deinen Vater aufwecken.« Stanislaus Demba versuchte ungeschickt, mit den Händen streichelnd über Steffis Haar zu fahren. Es sah kläglich aus und komisch zugleich: Diese beiden Hände, die wie zwei Lastpferde, wie zwei Maulesel aneinandergespannt waren. Wie ein stummer, langweiliger Begleiter, der starrsinnig mitgeht und sich nicht abschütteln läßt – so war Stanislaus Dembas linke Hand.

Demba ließ die Arme sinken, Steffi hörte zu weinen auf und sagte plötzlich:

»Aber das Ding hat ja Schlüssellöcher. Es muß ja aufzusperren gehen.«

»Natürlich.«

»Wir haben eine Menge so kleiner Schlüssel zu Hause. Im Vorzimmer an der Wand hängt ein Kasten, da sind zwanzig oder dreißig solcher Schlüssel drin. Einer wird doch passen! Wir müssen sie durchprobieren.«

Sie brachte eine Handvoll kleiner Schlüssel und legte sie geräuschlos einen neben den andern aufs Fensterbrett.