„Mit Hilfe!“
„... mit Hilfe eines Flaschenzuges Lasten in die Höhe winden, die zehnmal so schwer sind wie der Arbeiter. Infolge der Übersetzung!“
‚Infolge der Übersetzung‘, sollte Jürgen wiederholen, hatte aber ‚Überrumplung‘ gesagt.
Die ganze Klasse durfte lachen. Lachte noch auf dem Heimwege, wo alle sich von Leo Seidel, der vielleicht schon morgen einen Handwagen durch die Stadt schieben mußte, abgesondert hielten.
Auch Jürgen, gelähmt, wagte nicht, ihn zu begleiten. Nur in Gedanken trat er mit kühner Ritterlichkeit zu ihm. ‚Ich fürchte die Meinung der andern nicht.‘ Ließ sich von Seidel verehren.
Beim Mittagessen beachtete ihn die gefährlich schweigende Tante nicht. Schickte das Dienstmädchen, mit dem Befehl, Jürgen habe den Brief am nächsten Morgen dem Herrn Professor zu übergeben.
Erst nachmittags konnte Jürgen so viel Entschlußkraft finden, Seidel zu besuchen. In der Kellerstube stand der Armeleutegeruch, der das Vorhaben des schwindsüchtigen Briefträgers, den Sohn studieren zu lassen, als schwer ausführbar erscheinen ließ. Seidel saß still am Fenster und sah hinaus in den stinkenden Hof. Qual und Scham drehten Seidels Kopf und Schultern zur Seite, so daß er plötzlich Jürgen glich, der sich im selben Moment zum erstenmal in seinem Leben frei fühlte.
Er reichte Seidel eine in Leder gebundene Weltgeschichte, konnte scherzen: „In der biblischen Geschichte steht zwar: Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und ... Aber nicht deshalb gebe ich dir das Buch. Denn ich glaube ja gar nicht an Gott.“
Die fahle Mutter lag im Bett. Der Säugling, wegen dessen unerwünschter Ankunft der Vater den Sohn aus dem Gymnasium hatte nehmen müssen, begann zu schreien. Die Bettlade knackte. Vier Kinder, in verschiedenen Größen, bleich und blutleer, standen reglos da, mit großen Augen.
„Hast eine schöne Weltgeschichte. Zum Andenken an mich. Hast eine Freude ... mit hundertsiebenunddreißig Illustrationen.“