„Auch ein Hausdiener kann sich heraufarbeiten ... In Amerika, zum Beispiel, soll das öfter vorkommen“, sagte der Professor und lächelte. „Diesen Vormittag bleiben Sie noch in unserer Mitte“, zeigte er, mit einer Handbewegung über die ganze Klasse weg. Und deutete mit dem Daumen zur Tür: „Dann treten Sie in Ihren neuen Pflichtenkreis ein.“

Kreisende Rasenspritzen. Sonne. Hinter dem eleganten Kinderwagen reitet das Mädchen auf dem Steckenpferd in gezähmter Pferdeungeduld durch das Klassenzimmer. Offenen Mundes starrte Jürgen den abgezehrten Proletarierjungen an.

„Wollen Sie etwas sagen, Kolbenreiher? ... Nun? Heraus damit!“

Die übergroße Erregung fraß Jürgens ganze Kraft auf. Seine gelähmten Lippen stammelten: „Ich wollte nichts sagen.“

„Karl Lenz! ... Sie haben vorhin mit Adolf Sinsheimer Fingerhakeln geübt; erklären Sie uns jetzt den Flaschenzug.“ Auf dem Katheder stand ein kleines Modell. „Nichts? ... Setzen Sie sich. Und lassen Sie sichs von Leo Seidel erklären.“

Während hinten das Duell der Fingerhakelnden ausgetragen wurde und der Professor mit den kleinen Bleigewichten des Modells spielte, erklärte die einsame Stimme Leo Seidels das Gesetz des Flaschenzuges.

Jürgen litt unter der Feigheit, seine Meinung nicht geäußert zu haben, brüllte in Gedanken: ‚Nur weil Seidels Vater arm ist? Das ist gemein. Gemein! ... Alles ist gemein.‘ Glotzte besinnungslos den Professor an, bis der ihm zurief: „Kolbenreiher, wo werden Flaschenzüge gebraucht?“

„Flaschenzüge?“

„Aber gewiß, Flaschenzüge! Nun? ... Leo Seidel, sagen Sie es ihm.“

„Zum Beispiel am Neubau. Da kann ein einzelner Arbeiter mit einem Flaschenzuge ...“