„Sie dürfen nicht über das Essen schimpfen zu einem Besuch.“
„Ein paar Monate hältst du das ja aus. Aber da sind viele ...“
„Wenn Sie davon weitersprechen ...“
„... die schon lang sitzen und noch viele Jahre sitzen müssen.“
„... muß der Besuch sofort raus aus der Zelle.“
„Die, also die müssen verhungern. Die müssen glatt verrecken. Du machst dir keinen Begriff, Genosse, wie die Leute aussehen.“
„Sie haben zu schweigen jetzt!“
„Darüber mußt du in unserer Zeitung schreiben, Genosse!“ rief er Jürgen nach, der die Nummern der Zellen nannte, in denen seine zwei anderen Genossen waren. Der Wärter schritt schon auf die Treppe zu. „Die Besuchszeit ist vorbei.“
Der grüne Wagen, in dem die Gefangenen vom Polizei- und vom Untersuchungsgefängnis in das ständige Gefängnis überführt werden, war eben angekommen. Zehn Verurteilte, Frauen und Männer, standen in dem Bureauraum, wo die Personalien aufgenommen wurden. Die Gefangenen mußten ihre letzten Habseligkeiten abgeben, die männlichen auch ihre Hosenträger abknöpfen. Wärter schleuderten den Gefangenen die graue Anstaltskleidung in die Arme. Gesprochen wurde nichts.
Die Maschine funktioniert, dachte Jürgen und schritt der Ausgangstür zu. Da schoß ein schon älterer, stoppelbärtiger Mann mit schwärenbesetztem Gesicht und verschleimten Augen aus dem Bureau heraus, zuckte suchend hin und her, spähenden Blickes, der blitzhell offenbarte, daß er die Hölle, in die er kommen sollte, schon kannte, und schoß Jürgen nach, bestrebt, auch die aussichtsloseste Situation nicht unversucht vorübergehen zu lassen, um der Freiheit willen. Denn war er erst in der Zelle, dann gab es keine Zufallsmöglichkeiten mehr.