Der Schnauz hatte sich etwas beruhigt. Er lag, offenen Maules atmend, die Vorderpfoten vorgestreckt, blickend auf den Betonboden, überzeugt, daß seine Leiden nun zu Ende seien: er hierbleiben oder Katharina mitgehen werde. Auch sie steckte in einem grauen Leinensack, etwas kleidsamer gemacht dadurch, daß sie die Bluse beim Hals eingeschlagen hatte.

Bei dem ersten Tone, den die Wärterin sprach, erhob sich der Schnauz und bellte. Die Versicherungen Katharinas, daß sie in einer Woche kommen werde, nützten nichts. Der Schnauz stemmte sich mit allen Vieren und mußte so von Jürgen hinausgeschleift werden.

„Das ist nicht erlaubt.“ Die Wärterin deutete auf den schwachen Schatten, durch dessen Vorhandensein das Vorhandensein von Brüsten vermutet werden konnte. „Immer wenn der zu Besuch kommt – diese Dummheit!“

Katharina nahm den Einschlag heraus, so daß der Sack wieder rund um den Hals anschloß.

„Sie können es gar nicht erwarten, was! ... Direktor melden“, hörte Katharina noch. Die Tür fiel ins Schloß.

Schon überquerte Jürgen den Hof, halb springend, um noch vor Ablauf der Besuchszeit die Männerabteilung zu erreichen. Blieb aber plötzlich stehen: Durch das Tor rollte, gezogen von zwei schweren Pferden, ein auch oben zugebretterter Kastenwagen, aus dem rückwärts ein starkes Gestänge ragte, gleich einem Stück Eisenbahngleis, stabilisiert durch ein eisernes Querstück an der Stirnseite. Der Fuhrmann pfiff. Der Wagen rollte durch das sich eben auftuende zweite Tor in den Hof der Männerabteilung und weiter durch das dritte Tor in den Zuchthaushof, in dem am nächsten Morgen eine Hinrichtung stattfinden sollte.

Sekündlich hatten alle Empfindungen Jürgens Körper verlassen. Er wollte die Genossen mit seinem Zustand nicht zu belasten, umkehren, konnte aber nichts wollen. Selbsttätig trugen die Beine ihn weiter, der Tür zu.

So schritt er, in den Knien kraftlos, zusammen mit zwei Wärtern, die eine Art Tragbahre, beladen mit mehr als hundert Weißblechschüsseln, schleppten, den Gang vor.

Der Wärter, der Jürgen führte, ein großer, alter Mann, der, im Rücken gebogen, mit jedem knieweichen Schritt, den er tat, müden Blickes auf sein Leben zu treten schien, schloß wortlos die Zellentür auf und gleichzeitig reichte wortlos ein Essenträger die verrostete Blechschale Jürgens jungem Genossen, der den Inhalt, eine schwarze Brühe, wortlos in den Abortkübel goß. Die Brotscheibe legte er auf den Klapptisch.

„Das Zeug zu saufen hat gar keinen Wert.“ Er geriet beim Erblicken Jürgens sofort in Erregung. „Die Brüh soll das Abendessen vorstellen. Mittags gibts einen Mansch, den du frißt, weil du mußt. Und morgens die selbe Zichorienbrüh und auch ein Stück Brot. Das ist alles.“