Einige Gefangene schritten auf das Leben zu: drückten die Gesichter gegen das Drahtgeflecht. Blickende Augen. Eine Siebzehnjährige mit verwüstetem Gesicht lockte mit Zeigefinger und Daumen und sagte zweimal: „Schnauzel!“ Der Schnauz wedelte mit dem Schwanzstumpf.

„Den ganzen Tag macht sie sichs“, rief die Siebzigjährige der Wärterin nach. „Immer hat das jung Luder die Finger unterm Rock.“

Sie schritten durch die entgegengesetzte Tür hinaus, in einen langen Gang, an dessen Ende rot ein Gaslicht brannte. Links und rechts: Zellentür neben Zellentür, jede mit einem Beobachtungsfenster.

Schon als die Wärterin den Schlüssel suchte, stellte der Schnauz die Vorderpfoten gegen die Zellentür. Sein Maul öffnete sich, die Zunge erschien, Spitze nach oben gebogen.

Wimmernd schlüpfte er, durch die Beine durch, voran. Und es wäre Katharina unmöglich gewesen, ihn nicht zuerst zu begrüßen. Denn seine Liebe war stürmischer. So stürmisch, daß er unter Katharinas Liebkosungen nicht lange stillhalten konnte, sondern hin- und herrasen mußte, von der Fensterwand zur Zellentür, beim Wenden jedesmal ausglitschend auf dem glatten Betonboden.

Sogar der strichdünne, lippenlose Mund ließ Zähne sehen.

Sie hatten einander nur die Hand gereicht. Setzen konnte Jürgen sich nicht. Die Pritsche blieb tagsüber an die Wand geschnallt.

„Heute war bei mir, hergeschickt natürlich von meinem Vater, der Irrenarzt.“

Die Wärterin stand bei der Tür, ohne sich anzulehnen, blickte blicklos.

„Das ist so zu verstehen, daß meinem Vater eine geisteskranke Tochter lieber wäre als die Schande, eine Sozialistin zur Tochter zu haben ... Ich ging auf das Gerede gar nicht erst ein, schickte ihn gleich wieder fort, was ihn natürlich auch nicht von meinem Gesundsein überzeugte.“