Hand in Hand sprangen zwei weißgekleidete Mädchen herab, die in Jürgen den Bräutigam der einen, der zu Fuß hatte nachkommen wollen, vermuteten.
Enttäuschung, Lächeln und ein kurzer Schmerzensschrei in einem. Gestützt auf ihre Freundin und auf Jürgen, hinkte die Braut, die sich den Fuß übertreten hatte, zurück.
‚Und wenn ich ganz abgerissen wäre, würde mir das auch nichts ausmachen.‘ Die ausgefranst gewesene letzte Hose seines letzten Anzuges war zu einer kurzen Hose zurechtgeschneidert und von den Abfällen war ein Hinterteil frisch aufgesetzt worden, in Breechesschwung.
Adolf Sinsheimer kam lustig entgegen, in der vorgestreckten Hand eine gebratene Hühnerkeule für den Erwarteten. Sein Mund öffnete sich.
„Tut schon nicht mehr weh“, sagte die Braut beruhigend.
Aber die vorgestreckte Hand ließ die Hühnerkeule senkrecht fallen. „Das ist Jürgen Kolbenreiher; und hier: Elisabeth Wagner, meine Braut“, stellte er, während er den Knochen wieder aufhob, das andere Mädchen vor, das auf dem Herwege Jürgen in keiner Weise beachtet hatte und nun, zu plötzlich überrascht, in unverhohlener Spannung ihn ansah.
Jürgen war für Elisabeth Wagner so lange vollkommen uninteressant gewesen, bis sie erfahren hatte, daß ihre Mitschülerin Katharina ihn liebe. Seitdem hielt sie Jürgen, da Katharina schon im Institut für ein unzugängliches, wählerisches Mädchen gehalten worden war, für einen ganz besonders interessanten, bedeutenden Menschen, dessen Bekanntschaft machen zu dürfen sie seitdem immer wieder Drohungen, Spott und alle Mittel ihres überlegenen Verstandes dem Bräutigam gegenüber angewandt hatte.
Sofort begann sie von Katharina zu sprechen, die zwar zwei Jahre älter, aber im selben Institut mit ihr gewesen sei. Und auch als sie bewundernd ausrief, wie Katharina es nur ertragen könne, im Gefängnis zu sitzen, fühlte Jürgen, daß die Bewunderung ihm galt.
Erst viel später gestand er sich ein, daß er, nur um Elisabeths Interesse noch zu steigern, versucht hatte, sich gleich wieder zu verabschieden.
Mit leisem Schmollen, das ihrem kühlen Wesen fremd war, bat sie, er möge doch mit zur Gesellschaft kommen. „Adolf, bitte du ihn!“ Sie hielt Jürgens Hand fest.