‚Das stimmt. Aber wer sind die Mächtigen und was für Eigenschaften müssen sie besitzen, um mächtig werden zu können? ... Es gibt eine bestimmte große Anzahl solcher, die schon oben geboren werden und sich eben weiter vorwärtsbringen, wie geölt; eine kleine Anzahl Leo Seidels, die nicht nur über Verstand, Begabung und eiserne Gesundheit, sondern auch über eine ganz besonders große Portion Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Gemeinheit verfügen müssen, um durch die erdenbreite Eisenplatte, die auf den Rücken der Millionen lastet, durch- und hinaufkommen zu können. Außerdem gibt es noch einige Jürgens, die oben sein könnten, aber heruntergehen und nur auf der Leiter des Verrats an der Idee wieder hinaufzusteigen vermöchten ... So liegt die ganze Drahtleitung.‘

Innerlich grau geworden, starrte er den sechs Kraftwagen nach, die, schon in weiter Ferne, eben um den Fuß eines bewaldeten Hügels herumsausten, auf der Höhe wieder erschienen und, ein sich schlängelnder, dünner, schwarzer Strich, im Blau verschwanden.

‚Im Auto würde man aus der tiefsten Tiefe des Trichters, in dem das Proletariat kämpft und krepiert, sehr schnell heraus und nach oben kommen, wo das Leben ist ... Ja, ich brauchte sogar nur einen einzigen Gedanken zu denken, den Gedanken: Jeder für sich! Oder: Vervollkommnung der Persönlichkeit! Und schon würde ich oben sein.‘

Erfüllt von Widerwillen gegen alles, gegen das Leben und gegen sein Leben, gegen die Ausflügler und gegen den Bildungskurs, den er heute abend noch abzuhalten hatte, langte er vor der Haustür an. ‚Die Jugend scheint bei mir vorüber zu sein. Die Jugend! Man wird älter und alt!‘ Er nahm dem Postboten einen Brief ab. Die ungelenke Handschrift war ihm nicht bekannt: Phinchen flehte, er solle kommen, die Tante sei noch immer sehr krank. Und weshalb er auf den letzten Brief nicht geantwortet habe.

„Jetzt wirst du großen Hunger haben.“

„Nicht einmal! Ich habe ja ... Ich habe eigentlich wenig Appetit ... Hier, lies den Brief!“

„Fühlst du dich nicht wohl? Ich meine, weil du nicht hungrig bist.“

„Doch, ich bin ganz gesund ... Aber, was meinst du, soll ich da tun?“

„Weshalb solltest du sie nicht besuchen!“

Während des ganzen eineinhalbstündigen Vertrages, den Jürgen im Bildungskurse hielt, fühlte er sich gepeinigt von dem Bewußtsein, seine Begegnung mit den Ausflüglern Katharina verschwiegen zu haben. Erst gegen Morgen, nach einer in unruhigem Halbschlafe verbrachten Nacht, schlief Jürgen ein.