„Was willst du denn erreichen, Jürgen?“
„Das ist es ja eben. Ich bin kein Jüngling mehr. Man wird doch immer älter – und älter ... Eh man sich versieht, ist das Leben vorbei, nicht wahr?“
Katharina antwortete nicht mehr. Sie ging langsam auf die Verbindungstür zu, ging durch, schloß die Tür. Sie stand in ihrem Zimmer. Sie legte die Hand aufs Herz. Sie wußte alles.
Jürgen sah, durch die verschlossene Tür durch, Katharina stehen, so wie sie stand. Preßte die Hand auf das rasend klopfende Herz. Zuckte auf die Tür zu. Wollte nachstürzen.
Zuckte zwischen der Verbindungstür und der Ausgangstür wie ein von Verfolgern eingekreister Flüchtling im Zickzack hin und her. Und stürzte mit einem innerlichen, furchtbaren Todesschrei aus dem Hause.
Rannte aus der Stadt hinaus, querfeldein, über Schollenäcker zum Bahndamm, zwischen den Schienen weiter, bis vor das schwarze Tunnelloch.
Diesmal blieb er nicht stehen und kehrte er nicht um. „Fort! Fort! Fort!“ befahl der Herzschlag, jagte ihn den Schienen nach, hinein in die Finsternis.
Er stolperte. Seine Hände streiften den Boden. Er empfand darüber Befriedigung. Raste weiter, stieß mit dem Kopf gegen die Mauer. Und blieb keuchend stehen. In undurchdringliche Nacht gestellt, erblickte er plötzlich seine Genossen, klein und weiß. Katharina blickt verächtlich ihn an, deutet mit dem Finger auf ihn.
„Fort! Fort!“ schrie der Herzschlag. Vor sich, weit in der Ferne, sah Jürgen ein rotes Tunnellämpchen. Nach zwei Sprüngen war er schon daran vorbei, stolperte, stürzte. Und blieb hocken, dicht neben dem Lämpchen, das jetzt weit hinter ihm in der Finsternis schwebte.
Glotzend hob er den Kopf, sah die schneeweißen, starren Gesichter seiner Genossen. Duckte den Kopf zwischen die Schultern, schloß die Augen. Sah die schneeweiße Gruppe der Genossen. Katharina dreht sich kalt und gleichgültig weg.