Er horchte in sekündlichem Entsetzen auf das rapid stärker werdende Geräusch, sprang auf.
Da knallte der Donnerschlag in den Tunnel. Der ganze Berg wankte. Die glänzenden Schienen wurden zu roten Fühlern eines Riesentieres, die Fühler wurden immer länger, strahlten sausend auf Jürgen zu.
Er rannte ihnen entgegen, den Ausgang zu gewinnen. Ein ungeheurer Tumult erfüllte zerstörerisch den Tunnel, umtoste Jürgen und zwang ihn, stehenzubleiben. „... Bin ich verloren?“
Die Lokomotive krachte auf ihn los.
Jürgen fühlte, wie seine Haare weiß wurden, gab sich auf und starb.
Unabänderlich donnerte der Zug auf seiner vorgeschriebenen Bahn weiter. Das Geräusch wurde mit einem Schlage hell.
Noch eine Weile sangen die Schienen. Sandkörnchen fielen in die betäubte Stille.
Ein Mensch lag im Tunnel auf dem Gesicht. Für ihn hatte sich zwischen Leben und Tod ein Drittes eingeschoben, das nicht Leben war und nicht Tod.
Jürgen war bei vollem Bewußtsein und wußte dabei nicht, ob er noch existiere. Seine Augen starrten und erblickten nichts. Der Angstgedanke: ‚Wenn ich jetzt schreie und höre meinen Schrei nicht, bin ich tot‘, verhinderte ihn, zu schreien.
In dieses zeit-, raum- und vorstellungslose Nichts hinein erklang, da Jürgen als einziges erdhaftes Ding plötzlich das rote Tunnellämpchen erblickte, sein tierisch wilder Schrei nach dem Leben.