„Ja, ich erwarte Besuch. Elisabeth Wagner und ihre Freundin. Wenn ich gewußt hätte, daß du kommst, würde ich abgesagt haben.“
Er stand vor dem gedeckten Kaffeetisch. Ich kann ja gehen ... Die Freundin wird wohl das schöne Mädchen sein, das in seiner Jugend ... dachte er und fragte.
„Ja, sie ist sehr schön und mit dem Herrn Oberstaatsanwalt verlobt ... Auch dein Schulfreund, Karl Lenz ... Ist er älter als du?“
„Zwei Jahre. Er war nämlich so blöd, daß er im Gymnasium zweimal sitzenbleiben mußte. Aber was ist mit ihm?“
„Schon Staatsanwalt geworden! Vor vierzehn Tagen. Denk an, so jung!“
‚Das sollte ja auch ich werden. Oder Amtsrichter! Dem bin ich entronnen.‘
„Deshalb glaubte ich, Karl Lenz müsse ein besonders fähiger Schüler gewesen sein.“
„Das nicht; aber Angehöriger der vornehmsten Verbindung.“ Jetzt verschwinde ich, dachte er, als die Wohnungsglocke läutete. Und fragte: „Geht es dir besser?“ Warf einen Blick in den Spiegel, der einen knapp, sorgfältig und schwarzgekleideten Herrn zeigte. „Die Wäsche, die von mir noch da ist, könntest du mir schon spendieren“, sagte er, schalkhaft lächelnd.
‚Das Geld hätten wir schon aufgetrieben. Wenn ihm unser Leben zu ärmlich, zu leer war, wir hätten etwas besser wohnen, manchmal ausgehen, mehr Bücher kaufen, im ganzen etwas besser leben können. Der Ingenieur tut es ja auch. Gewiß ein guter Genosse! Eine Grenze nach unten, eine Grenze nach oben – in der Mitte genug Spielraum, nicht so erlebnisarm zu sein. Verkehr mit einigen sympathischen, klugen Menschen. Auch eine kleine Reise hin und wieder. Innere Erfrischung. Jeder braucht sie. All das würden keine unüberwindlichen Schwierigkeiten gewesen sein ... Aber das ist es ja nicht. Das ist es ja nicht. Er hat den Kampf aufgegeben. Er paßt sich dem Leben an ... Aber mir, mir, warum hat er mir das angetan. Warum hast du mir das angetan.‘
Gesicht neigte sich langsam auf die verschränkten Arme. Der ganze Körper verzuckte im Weinen. Sie wimmerte immer den selben Ton. Ließ sich versinken, ganz und gar preisgegeben dem Schmerze.