„Ja, Jürgen, sie ist ein kluges Mädchen, ein liebenswertes Mädchen.“
„Kennst du sie denn so gut, weil du sagst, sie sei ein liebenswertes Mädchen?“
„Weshalb denn kein liebenswertes Mädchen, Jürgen, weshalb nicht liebenswert“, sagte Katharina in schwerem Leid und dachte: Wie wiegen die Worte so schwer ... fallen wie Blei.
„Sie hat sogar deine Partei ergriffen, hat dich verteidigt.“
‚Wie ist es möglich, daß er mich so beleidigt.‘ Die Häuser neigten sich; die Straße drehte sich um Katharina herum. Sie mußte sich festhalten an Jürgen, nicht zu versinken in dem schwarzen Nebel vor ihren Augen.
„Du arbeitest zuviel; solltest dich schonen, etwas mehr schonen.“
Da riß ihr Blick, in dem nicht Zorn und nicht einmal mehr Verachtung war, alle Masken und jede Selbstbelügung weg und traf ihn so, daß er plötzlich vor der Tatsache stand.
Seine Stimme war rauh: „Entscheide du!“ ‚Laß mich leben oder knalle mich nieder; aber entscheide du!‘ schrie, völlig preisgegeben, sein Wesen. Die Augen glotzten.
Sie schwieg, bewegte den Kopf nicht. Nichts rührte sich an ihr und in ihr. Ihr Blick blieb blicklos.
Und Jürgen wußte, daß auf der Welt nur er allein entscheiden konnte, gestand zum erstenmal sich ein, daß er sich schon entschieden hatte. „Geh, Katharina, geh, geh du nachhause jetzt, Katharina.“ Seine Stimme ertrank in innerlichem Weinen. „Schlafe gut.“