‚Ich habe eine schöne Frau.‘ Er streckte sich. ‚In das Leben soll man Grübeleien über Entwicklung und Dasein nicht hineintragen. Das Leben entwickelt sich ganz von selbst.‘
Der Hafen schlief. Das Meer sang gleichtönig, ruhevoll und groß. Die Mimosen dufteten stärker in die warme Nacht. Wie in allen Nächten sang auch in dieser Nacht in der Ferne ein Mädchen.
Eine Fabrikstraße, nebelgrau und doch trostlos deutlich. Gestalten, einzeln, in Gruppen, in endlosen Reihen, schritten im Morgengrauen in unabänderlich vorbestimmter Richtung auf das riesenhafte, graue Fabriktor zu. Immer neue Millionen marschierten heran, grau, gespenstisch-lautlos, und verschwanden im Fabriktor der Welt.
‚Und du standest schon am Anfang deines Ich.‘
Elisabeth wandte sich um nach Jürgen, der schwer atmete. Seine Gesichtshaut zuckte und war gespannt, als habe sie, wie eine Ballonhülle, einen ungeheuren Atmosphärendruck auszuhalten. Ein Mensch schlief.
Elisabeth berührte den Stöhnenden. Wie ein vom Tode Erweckter richtete er sich auf. Eine ewige Sekunde lang war letzte Bereitschaft in seinem Antlitz.
„Dein Gesicht sah gar nicht aus wie ein Gesicht. Sah aus wie ein Gefängnis, wie eine Faust.“ Sie schlüpfte zu ihm unter die Decke. „Was träumtest du?“
„Weiß nicht. Weiß nicht.“ Er wußte es nicht. „Wie du duftest!“ Er riß, aus der Tiefe seines Wesens zurückgekehrt, wild das Leben an sich.
Erst viele Monate nach der Rückkehr – in seinen Tagen tat sich schon die leere, tote Einsamkeit auf, die weder durch Genüsse, noch durch Arbeit zu überwinden war – wurde Jürgen in einer großen Gesellschaft an Katharina erinnert. Adolf Sinsheimer zog ihn in eine Nische. „Warst du wieder einmal da? ... Nun, in dem orientalischen Salon! Ich sage dir, da sind jetzt vier Mädchen! Die sind mit 99½ Salben gerieben. Die eine sieht übrigens Katharina Lenz verblüffend ähnlich. Also verblüffend! ... Sie hat ein Kind bekommen.“
„Wer hat ein Kind bekommen?“