Der Teilhaber lehnte sich zurück in den Sessel und ließ ganz bewußt das Bewußtsein vortreten. Das war schon trüb wie eine Wasserfläche, auf der ölige Flüssigkeit irisiert, rückt über den Teilhaber vor und spricht von Recht, Moral und Gerechtigkeit. „Das Geschäft war mir zu unmoralisch. Viele kleine Leute würden durch unsere Schuld ihr Geld verloren haben. Ich stehe auf dem Boden der Gerechtigkeit.“
Erst nach einigen Sekunden konnte der staunende Herr Wagner den Zeigefinger heben: „Der gute Ruf unseres Hauses wurzelt in der Gerechtigkeit. Aber sichere Geschäfte einfach nicht zu machen, geht nicht an. Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert. Du kennst meine Weltanschauung. Wir haben eine beträchtliche Summe und obendrein Herrn Hummel, der seit zwanzig Jahren mit uns arbeitet, als Kunden verloren, weil du diese scheinbar entwerteten Papiere nicht gekauft hast. Die ‚Leber‘ natürlich hat sie sofort und samt und sonders aufgekauft. Der lacht.“
„Das allerdings stimmt“, sagte der Teilhaber, „daß die kleinen Leute nun trotzdem um ihr Geld gekommen sind.“
„No, was sag ich!“
Es war aber auch schon vorgekommen, daß Herr Wagner erhobenen Zeigefingers zu seiner Frau hatte sagen können: „Der Schwiegersohn hat eine Nase, eine Nase ... Wir Alten können uns zur Ruhe setzen. Kein Mensch hätte aus der Presse und aus den Reden im Reichstag herauszulesen vermocht, daß an ein Gesetz über neue Schutzzölle auch nur gedacht werde. Hast du etwas von einem Gesetz gelesen, von Schutzzoll? Nicht die leiseste Andeutung. Aber er, der Junge, dieser Junge, mit seiner Vergangenheit und seinem Interesse für Politik, seinen Beziehungen zur Arbeiterbewegung, die unsereins überhaupt nicht beachtet, hat zugegriffen zu einem Zeitpunkt, als die geriebensten Füchse sich noch in Baisse festlegten ... No, was sag ich.“
Am ersten Mai des vergangenen Jahres war Jürgen im Auto in den Demonstrationszug hineingeraten und steckengeblieben, beschossen von Blicken noch gefesselten Hohnes und Hasses.
‚In der Straßenbahn kann ich mich ebenso mit meinen Gedanken beschäftigen. Brauche nicht im Wagen zu fahren.‘
Das schon weit nach rückwärts gedrückte Bewußtsein fand die Sekunde Zeit, zu sagen: Das ist es ja nicht. Das ist es ja nicht.
Eine Grenze nach oben muß eingehalten werden, dachte er, stieg aus, ging die zweihundert Schritte bis zur Villa. Und teilte der Tante, während er die eingelaufene Post durchsah, nebenbei mit, daß in den zwei Jahren, seitdem er ihr Bankier sei, ihr gesamtes Vermögen sich schon fast verdoppelt habe.
‚Da irrt er sich. Das gesamte nicht.‘ Sie hatte ihm nur die schwer zu verheimlichenden Papiere anvertraut und den größeren Teil ihrer Aktien bei ihrem alten Bankier gelassen. „Du hast dein Erbe verdoppelt“, sagte die gelb, zerfallen und schweratmend im Lehnsessel Versunkene.