Der Wunsch nach dem Montag, nach der gewohnten Bureauarbeit und dem gewohnten Aufenthalt in der Börse huschte durch ihn durch. Jürgen hätte nicht sagen können, weshalb und wann er an das Fenster getreten war. Die Fichtengruppe im Garten stand reglos. Ein hängender Ast störte die Symmetrie. ‚Auch morgen wird dieser Ast genau so wegstehen und übermorgen auch und auch noch in zehn Jahren. Dieser stupide Sonntag bringt einen um jeden Gedanken. Ah! und diese mörderische Zimmereinrichtung!‘

Der Himmel war gleichmäßig blau und sah aus, als ob er nie mehr nachtdunkel werden würde. In fernen Geräuschen schwammen die Töne der Kindertrompete. Im Garten sang der Nachbar. Jürgen hob die linke Schulter, hob die rechte Schulter, das linke Bein, das rechte. Die Bewegungen wurden zu einem gedrückten Tanz. Die Glaskugeln standen reglos.

Der hin- und herschwingende Elefantenrüssel im Salon zog weiße Fäden und blieb schief hängen. Jürgen sah deutlich den schiefhängenden Perpendikel. Gähnend und die Hände über dem Kopfe erhoben, wie ein Gefangener, der unter entsichertem Revolver abgeführt wird, ging er in den Salon, sah blöd auf den funktionierenden Perpendikel.

Die Sonntagsgeräusche drangen auch durch das offene Fenster in das Wohnzimmer, wo Elisabeth sich langweilte. „Nun, also was? Zu den Alten? Oder im Park spazierengehen? ... Daß du aber auch diese unverständliche Abneigung gegen das Autofahren hast!“

„Eine Grenze nach oben muß eingehalten werden, Herzchen“, sagte er gähnend. „Übrigens, wenn du willst, können wir auch fahren. Laß euer Auto kommen ... Auch langweilig!“

„Die rosa Studie und mein Porträt hängen schon seit Donnerstag. Außerdem noch zwanzig seiner besten Arbeiten.“ Und sie sprach von den großen Fortschritten, die ihr Geliebter gemacht habe. „Gehen wir in die Ausstellung!“

„Warum nicht gleich zum Zahnarzt!“

„Oder sonst jemand besuchen?“

Der Schlund der grauen Leere verschlang alle Vorschläge.

„Wen denn besuchen! Die sitzen sicher auch alle zuhause und wissen nicht, was sie mit sich anfangen sollen. Ein Glück, daß nicht alle Tage Sonntag ist ... Gehen wir in den Zirkus! Da tritt heute zum erstenmal eine Akrobatin auf, die, Kopf voran, weißt du, aus sechsundzwanzig Meter Höhe herunterspringt in ein Bassin, das nur vier Meter lang und hundertfünfzig Zentimeter breit ist. Denk an: dieses winzige Loch in der Manege und dabei diese riesige Höhe! Unbegreiflich! Das sollte gar nicht erlaubt werden. Das Bassin ist mit scharfkantigem Winkeleisen eingefaßt. Wenn das Mädchen nur um fünf Zentimeter fehl springt, schlägt es sich Schulter und Arm vom Körper weg. Aber aufregend wird die Sache sein. Jedenfalls besser, als hier zu sitzen.“