„Sag mal“, begann nach einer Pause Jürgen entschlossenen Tones, zuckend mit der Schulter, als habe er sich selbst versichert, daß es ihm gleich sei, was Seidel über ihn wegen des folgenden denken werde, „weshalb eigentlich ist es nun dein Ziel, die Urprodukte, die Kontrolle über die ganze Wirtschaft in die Hand zu bekommen, oder, mit andern Worten, der mächtigste Mann des Landes zu werden? Welche Idee – hinaus über den Wunsch, persönliche Begierden jeglicher Art stillen zu können, was zu tun du ja schon längst imstande bist – verfolgest du dabei?“

Seidel blickte nachdenklich vor sich hin.

„Macht um der Macht selbst willen? Oder die Erkenntnis, daß geschluckt wird, wer nicht selbst schluckt? Oder um deiner Kinder willen, wenn du welche hast? Das alles hat doch mit einer positiven Idee nichts zu tun.“

„Aber auch zur Erlangung der Kontrolle über Kohle, Brennstoffe, Erze wäre der geplante Zusammenschluß eine wesentliche Voraussetzung.“

„Und das Sichabfinden damit, daß infolge der Konkurrenzjagd von Zeit zu Zeit ein Krieg und der Tod einiger Hunderttausend oder Millionen eben naturnotwendig, die Schattenseite sei, der aber die moderne Zivilisation als Plus gegenüberstehe, ist doch ebenfalls keine tragfähige Grundlage für eine Idee, für eine Lebensordnung, mit der auf die Dauer der Mensch sich abfinden könnte, sondern, scheint mir, nicht mehr als eine peinliche Mischung von Fatalismus und Zynismus.“

Seidel, der gar nicht mehr zugehört hatte, zeigte ein flüchtiges Höflichkeitslächeln und schrieb etwas in sein Notizbuch.

„Willst du mir nicht antworten? Oder weißt du keine Antwort auf meine Frage?“

Rückwärts an der langen Tafel war es plötzlich still geworden. „Ein Straßenmädchen ging mit einem Juden ...“

„Das Nähtischchen deiner Mutter steht noch in meinem Bodenraum. Erinnerst du dich? Das sind jetzt zwanzig Jahre her.“

„Ich erwarte dich also morgen im Hotel oder bringe dir die Unterlagen in die Bank.“