Er leerte sein Glas. Füllte und leerte. Begann wieder zu lachen. Trank. ‚Dieser harte, mächtige Mann – ein kleines Schuftchen, ein winziges Ungeziefer, das in seiner Heimatstadt noch ganz besonders geachtet werden will ... als Wohltäter!‘
Herr Hommes bedeckte Mund und Nase mit der Hand, warf den Kopf in den Nacken und dann tief zur Tischplatte, als müsse er niesen, nieste nicht; er sagte zu Herrn Wagner: „Da muß er aber groß verdient haben.“
„No, was sag ich!“
‚Entzündete Augen, entzündete Schleimhäute, Eierstöcke, Knochen, Lungen, entzündete Maschinengewehre und Schwergeschütze, entzündete Seelen, eiternde Seelen – und ein Krankenhaus für alle, finanziert mit Kapital, das entstanden ist durch das Systemchen, welches diese planetare Entzündung verursachte. Das ist die Antwort. Hoppla, das ist sie ... Und die Fusion wird zustande kommen. Und die Kontrolle über die wichtigsten Arzneimittel. Und ich werde noch mächtiger werden. Und das ist nicht zu ändern. Es gibt keinen Ausweg. Mir kann nichts passieren – denn ich bin schwerlich zu entlausen, denkt mit Recht die Laus.‘
Er saß abseits rittlings auf dem Stuhle und glotzte vergnügt. Stellte das geleerte Glas auf den Fußboden. ‚Eiternde Seelen‘, begann er wieder, diesmal von rückwärts, und zählte an den Fingern her, wie der Metallarbeiter mit der verstümmelten Hand. Sah plötzlich eine Riesenebene, auf der Millionen Menschen reglos blickten. Die Gesichter derer, die am allerweitesten, die kilometerweit zurückstanden, waren größer als die der Nächststehenden. Alle Gesichter waren gelb.
„Gelb! Gelb! Gelb! ... Bin ich denn in China? ... Wollte ja Dolmetscher in China werden.“
Er stürzte vom Stuhle. In seinem Hinterkopfe klopfte dunkel ein Hammer aus Gummi.
VII
Phinchen mußte sich strecken, um mit der Bürste den Rockkragen erreichen zu können. Wie jeden Morgen trat Jürgen, als probiere er eine neue Hose an, einigemal am Platze, sich richtig in den Anzug hineinzudrücken, nahm den Spazierstock aus Phinchens Hand und verließ pünktlich die Villa. Der Schaffner, im Laufe der vierzehn Jahre auf dieser Strecke ergraut, half dem schwer gewordenen täglichen Fahrgast in den Wagen.
Unwillkürlich rückte Jürgen etwas ab von einem dürftig gekleideten Manne, dem die Nase fehlte. Außer diesem Arbeiter saß im Wagen ein kleines Mädchen, das, die Augen angstvoll vergrößert, seine Hausaufgabe im Katechismus repetierte und immer wieder begann: „Aber Jesus sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen ...“