Die Möwe antwortete nicht, blickte auf das weite, kalte Meer hinaus. Auch Jürgen blickte auf das Meer hinaus.

„Deshalb müssen wir rechtzeitig das Trauerlied einstudieren, das am Grabe gesungen werden soll, damit wir uns nicht wieder blamieren.“

„Er ist ja noch gar nicht tot!“

Ein kleiner, dürrer, bebrillter Schuhmachermeister schoß vom Stuhle empor und forderte etwas mehr Pietät. Er war der Schriftführer.

„Wenn er doch noch lebt!“

„Aber es kann nicht mehr lange dauern. Ich bitte also den Herrn Dirigenten, das Trauerlied vorzunehmen.“ Der Vorstand breitete die Arme aus: „Oder sollen wir uns wieder blamieren?“

Der zweite Vorstand erhob sich, klopfte ans Bierglas: „Ich bin ganz der Meinung unseres ersten Herrn Vorstandes ... Wenn ein altes Mitglied, ein Veteran des Männergesanges, stirbt, kann er verlangen, daß das Lied, das wir an seinem Grabe singen, vorher ordentlich geprobt wird. Und die Ehre unseres Vereins steht auch nicht so bombenfest, daß wir uns wieder blamieren dürften, wie das letztemal.“

Die Möwenfrau trug in den reglosen Augen einen Blick, als schaue sie das unabänderliche Schicksal.

Der Brillenschuster verteilte schon die Gesangbücher. Die zehn Bässe gruppierten sich um das Klavier herum. „Dort unten ist Friede“, intonierte der Dirigent. Und die Bässe setzten ein: „Im kühlen Haus.“

„Nur die Bässe singen, bitte ich mir aus. Warten Sie, bis Sie daran kommen.“ Der Brillenschuster hatte mitgesummt. Er sang den ersten Tenor.