Der Rentier ging weiter. Ein Dampfwölkchen stieg empor, zerflatterte. Noch ein Dampfwölkchen stieg empor.

„Oder sind er und die Millionen seinesgleichen vielleicht doch Raubtierchen? Selbstgerechte, zufriedene, ihres Raubes sichere Raubtierchen?“

Ein uraltes Männchen, das auf dem speckigen Rockaufschlag am speckigen Bändchen einen Kriegsorden trug, überquerte trippelnd die Straße. Das vertrocknete Gebilde machte jedes Schrittchen des Alten mit.

„Wie konnten Sie es ertragen, achtzig Jahre nicht eine Sekunde Sie zu sein, nicht einen Atemzug lang Ihr eigenes Leben zu leben? ... Nur in der Kindheit, in der Kindheit! Erinnern Sie sich noch?“

Das Männchen hob mühsam den schweren Kopf: „Oj, oj, ein schlimmes Leben!“ und trippelte weiter.

Täglich, vom frühen Morgen, bis in die späte Nacht hinein, beobachtete und erlitt Jürgen das Leben, suchte er – begleitet von Wahnsinn und Revolver und immer bereit zum Schusse in das Herz – Bewußtsein und Weg. Wurde in seinem Kampfe, der in zweifachem Sinn ein Kampf um Sein oder Nichtsein war, noch wochenlang beständig hin und her geschleudert zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

„Wo ist das Herz?“ hatte er einen Arzt gefragt.

„Zwischen der vierten und fünften Rippe, von oben gezählt.“

Und hatte, zuhause angelangt, an seinem abgezehrten Brustkorb die Einschußstelle abgetastet, entschlossen, nicht eine Sekunde länger zu leben, wenn keine Hoffnung mehr sei.

Beobachtend lauschte er dem Leben und dabei immer in sich selbst hinein, folgte, ein zum Tode und zum Leben Entschlossener, jedem Fingerzeig, den die Umwelt gab, sprach mit Kindern und mit Greisen, mit Soldaten und mit Pferden. Das Erblicken eines Hundes, der, von einer Frau fortgezerrt, auf Jürgen zugestrebt war, veranlaßte ihn, sofort zum Hundehändler zu gehen.