„Haben Sie einen Schnauz, der alles erträgt, nur nicht die Trennung von dem, dem seine Sympathie gehört?“
Im sonnigen Hofe stand reglos ein junger, schwarzer Dackel, der, mit allen Vieren gleichzeitig, plötzlich hochflog, in der Luft herum, und wieder reglos stand, die verdrehten Augen auf Jürgen gerichtet.
„Einen Schnauz nicht. Aber das Mistvieh können Sie billig haben, mitsamt der Leine.“
„Er hat gute Augen. Wird er mit mir gehen?“ Der reglose Dackel starrte auf eine Fliege, hüpfte auf sie zu, starrte in den Himmel.
„Der geht mit jedem.“
Freudig bellend zerrte der Dackel, die Schnauze am Boden, Jürgen hinter sich her, aus dem Hofe hinaus.
Von dieser Stunde an unternahm Jürgen täglich weite Fußtouren. Er beachtete nicht Sonnenbrand, nicht Regen und hatte keine örtlichen Ziele. Für ihn gab es Tag und Nacht, ob er wanderte und sann oder schlief und träumte, nur das eine Ziel. Alles und nichts war ihm Wegweiser. Er existierte zwischen dem Ziele, das, ein farbloses, winziges Pünktchen in immer gleicher Entfernung am Horizont: seine große Hoffnung, und dem Schuß ins Herz, der die Erlösung von dem Wahnsinn: seine letzte Freiheit war.
Der alte Landarbeiter, krummgebogen von der Lebensarbeit, rückte die Mütze und deutete: „Ihr Hund jagt. Wenn ihn der Forstaufseher vor den Lauf bekommt, schießt er ihn.“
Aus dem hochstehenden Kleefeld tauchten, wie bei einem flüchtenden Känguruh, abwechselnd Kopf und Hinterteil des Dackels empor, der die Kleespitzen übersprang und bei jedem Satze mit den Vorderpfoten tief einfiel. Jürgen horchte auf das scharfe, verzweifelte Bellen.
Und da geschah es, daß Jürgen, dem jede Sekunde Zeit unschätzbar teuer war, der um keinen Preis, den dieses Leben zu bieten hatte, eine Sekunde lang das Suchen nach sich selbst unterbrochen hätte, dieses große Suchen auf Leben und Tod unterbrach, um erst den gefährdeten Hund zu suchen.