„Handgeld brauche ich nicht ... Ihre Schiffschaukel scheint übrigens ganz neu zu sein ... Wenn Sie zufrieden sind mit mir, werden Sie mir meinen Lohn schon geben.“

Das hatte der Mann noch nicht erlebt. Beinahe verlegen sagte er: „Ja, ich habe die modernste Schiffschaukel der Messe. Kostete mich ein Vermögen! Das will verdient sein. Sie ist einen Meter siebenzig höher als die der Konkurrenz ... Können Sie morgen früh antreten?“

Schnellen Schrittes ging Seidel zu dem Altwarenhändler und holte den Gegenstand ab, den er nicht mitverkauft hatte.

„Das einzige noch einigermaßen brauchbare Stück! Der ganze übrige Plunder ist vollkommen wertlos“, wiederholte der Mann, der am Tage vorher heftig und erfolglos um den Besitz dieses Gegenstandes gekämpft hatte. „Elender Plunder!“

„Wie kann eine Wohnungseinrichtung, in der eine große Familie fünfundvierzig Jahre gelebt hat, plötzlich ganz wertlos sein!“ Seidel nahm den in braunes Packpapier eingewickelten Gegenstand unter den Arm. Stand eine Stunde später im Studierzimmer vor Jürgen, erklärte, auf dessen Fragen hin, mit drei Sätzen, welche Arbeit und weshalb er sie angenommen und welches Ziel er habe. „Ich will zu Geld kommen, reich werden. Sehr reich! Reicher als ihr alle seid!“

„Bei einer Schiffschaukel? Du, ein mehr als gewissenhafter Mensch!“

„So verkommen würdest du niemals, wie? Was würden die Leute sagen? ... Mir jedoch ist das einerlei. Muß mir gleich sein! Gutbürgerliche Gefühle und Sentimentalitäten kann ich mir nicht erlauben. Ich brauche Bewegungsfreiheit, um alle Möglichkeiten ausnützen zu können. Im Magistratsbureau und auch in irgendeiner anderen festen Stellung gibt es keine Möglichkeiten für mich. Bin kein Fabrikantensohn ... Ich will mein Ziel erreichen. Und ich werde es erreichen. Und dann werde ich erst recht rücksichtslos sein.“

„Dein Haß ist ja recht schön ...“

„Wieso ist er schön?“

„Nun, ich kann deinen Haß begreifen; aber Reichtum ist doch kein erstrebenswertes Ziel. Was bist du, was hast du, wenn du reich bist und die Armen wie bisher arm bleiben und überhaupt alles so bleibt, wie es ist? Dann gehörst du bestenfalls zu denen, die gehaßt werden. Wem nützest du damit?“