Ohne sich zu rühren, musterte er die Gegenstände, begann schließlich zu zählen: vier meterhohe Petroleumlampen – Geschenke, die niemals gebrannt hatten –, eine große Anzahl nie benutzter Tee-, Kaffee- und Likörservice, entdeckte nachträglich noch zwei hohe, glänzende Gestelle, die er erst auch für Lampen hielt, dann aber als Tafelaufsätze erkannte: Nachbildungen des Eiffelturmes, auf dessen Stockwerken Birnen, Äpfel, Trauben, aus farbigem Tuche, lagen. An der Wand hing, zwischen dem Dackel, der, das weiße Zipfeltuch um den Kopf, an Zahnweh leidet, und dem Kätzchen, das mit dem Wollknäuel spielt, ein kleiner Elefant, der den Rüssel hin und her schleuderte. Das Ziffernblatt auf seiner Stirn stellte Afrika dar.

Unvermittelt schlug der Gedanke ein, daß vielleicht im Zimmer nebenan der Tote liege. Um sich abzulenken, nahm Jürgen den Bronzelöwen in die Hand, der, schleichend zusammengekauert, Tatzen auf dem Rande, die Zunge dürstend in die Aschenschale streckte. Stand auf, sah umher, drehte am Schalter. Mit dem Verlöschen der Birne schwankten alle Möbel, wie betrunken, auf Jürgen zu und versanken in der Finsternis. Er fand den Schalter nicht wieder.

Da sah er in einem Blitze der Angst die Leiche im Salon liegen, schneeweiß aufgebahrt und mit genau der selben Kopfhaltung wie die seines Vaters. Schnell drehte er sich einige Male um sich selbst, bemüht, die Leiche des Vaters nicht im Rücken zu haben, und streckte die Hand frierend hinter sich nach dem Türdrücker aus.

Der Elefant trompetete. Die Tür knallte gegen Jürgens Kopf: Adolf hatte eintreten wollen. „Na, sag mal, sitzt du im Dunkeln! ... Lina! Donnerwetter, Lina!“ Sie kam gesprungen. Jürgen wollte aufklären.

„Ist ja alles sehr schön! Aber weshalb wird denn nicht der ganze Lüster angeknipst, wenn Besuch da ist! ... Bringen Sie Tokaier.“

Seine Hand hatte den Schalter gefunden. Zornig schritt er auch noch in die andern drei Ecken: Immer mehr Birnen glühten auf an Kandelabern und am gewaltigen Lüster. Die tausend Gegenstände standen tot im weißen Lichte. „So, nun mache dirs bequem.“

Jürgen setzte sich wieder auf den hochlehnigen Schwanenstuhl und sprach das Tokaierglas prostend erhoben, verlegen sein Beileid aus über den entsetzlichen Unglücksfall, der Adolf betroffen habe.

„Das passiert meinem alten Herrn öfter. Es geht ihm schon wieder besser. Er hat schon etwas Gulasch gegessen. Jetzt schläft er.“

Nachdem die beiden weggegangen waren, schritt das Mädchen von Schalter zu Schalter und stürzte den Salon wieder in das schwarze Nichts.

Auf der Straße zog Adolf mit weißen Litzen besetzte Glacéhandschuhe an und machte beim Sprechen abgehackte Viertelsdrehungen auf Jürgen zu, wie ein Leutnant, der mit einer Dame spazierengeht. Sein Vater habe diesen Morgen Ärger gehabt, wegen einer Zahlung an eine Londoner Bank. Es habe sich zwar nur um einige zehntausend Pfund gehandelt. „Eine Bagatelle, gewiß! Aber wenn sie momentan nicht flüssig zu machen sind? ... Geht er heute früh dieser Sache halber fort, kommt schon aufgeregt nachhause, da findet er ein Schreiben aus dem Kriegsministerium, des Inhalts, daß wir ...“ Er blieb stehen, hob den Spazierstock wie eine Kerze: „Diskretion?“