„Vielleicht sagst du mir lieber nichts.“

„Aber bitte, dein Wort genügt mir ... daß wir den Auftrag erhalten haben, den neuen Armeeknopf zu liefern. Begreifst du, was das bedeutet? ... Ahnungslos öffnet mein Alter das zweite amtliche Schreiben, liest, daß er zum Kommerzienrat ernannt worden ist: schwuppdich – Schlaganfall ... Bitte, nach dir.“

Schwungvoll ließ der schon zum Kellner emporgerückte, seinen Ober jetzt mit vollkommenster Sicherheit kopierende frühere Pikkolo das Tablett mit den Wassergläsern auf die Marmorplatte auflaufen. Das Knopfexporthaus stand wuchtig und still gegenüber in der Abendruhe.

Ein starker Tourenwagen hielt vor dem Café. Ein blonder Herr trat ein. Adolf verbeugte sich steif und tief und flüsterte: „Sechzigpferdig! Ein Klubmitglied! Sohn des Maschinenfabrikanten Heller ... Die haben ihrem Werke kürzlich noch eine Abteilung angegliedert, in der ausschließlich Eisenbahnweichen fabriziert werden. Staatsaufträge, mußt du wissen! Auch die scheinen die nötigen Verbindungen zu haben. Enorm reiche Leute!“

Jürgen wurde die Seele schwer bei dem Gedanken, daß seit jenem ersten Kaffeehausbesuch schon soviel Zeit vergangen war und er noch immer unklar und ziellos dahinlebe. Abwesend sah er in das glänzende Gesicht, von der Krawattenperle zum seidenen Tüchlein, das glatt und grün aus der Brusttasche wuchs.

„Gestern übrigens – ich unterhalte mich nicht ungern mit dem jungen Heller – erzählte er mir im Klub, er habe den Ingenieur, der das Einrichten der Weichenfabrik überwacht und geleitet hat, husch, die Lerche! rausgeschmissen.“

„Fort möchte ich! Weg von Europa! Weg von dem Ganzen! ... Vielleicht wenn ich Dolmetscher werden könnte in China!“ Und plötzlich erfüllt von Zorn und Hohn: „Bist du schon weit mit deiner Knopfsammlung?“

„Unsinn! Das war ja Kinderei. Hast du eine Ahnung! Es gibt, rein menschlich genommen, nichts, das mir gleichgültiger wäre als Knöpfe ... Ich sammle etwas ganz anderes.“

Er beugte sich zu Jürgens Ohr, flüsterte und lehnte sich wieder zurück. „Von jeder, die ich gehabt habe! ... Kannst dir die Sammlung einmal ansehen.“

„Weshalb hat er ihn denn hinausgeworfen?“