„Überall liegt ein Zettel bei, mit dem Vornamen der Betreffenden und dem Datum.“
„Wenn er doch das Einrichten der Fabrik leitete!“
„Ja, und gleich hinterher hat er die Arbeiter zum Streik aufgehetzt. Ein Blutroter nämlich, verrückter Weltverbesserer, weißt du, Bombenschmeißer und so ... Zeichnet, konstruiert, wählt aus, baut um, rennt und schwitzt, bis das Werk steht – soll übrigens ein brauchbarer Techniker und Organisator sein –, dann hetzt er die Leute auf ... So etwas gibts noch, heutzutage, trotz des enormen Aufschwungs unserer Industrie.“
„Hast du denn schon einmal darüber nachgedacht, daß trotz des Aufschwunges unserer Industrie die große Mehrheit aller Menschen zu schwer arbeiten muß und dabei kaum das Nötigste zum Leben hat, vor allem aber jeglicher Möglichkeit, ihre geistigen Anlagen auszubilden, jeglicher Entwicklungsmöglichkeit vollständig beraubt ist? Im Gegensatz zu anderen, die essen, leben und sich bilden können – wie zum Beispiel wir –, selbst wenn sie wenig oder nichts arbeiten!“
„Deine Sorgen! Übrigens: ich muß auch arbeiten. Und wie wir geschwitzt haben, mein Alter und ich, betreffs des Armeeknopfes! Du solltest nur ein einziges Mal eine Kalkulation für solch eine Riesenlieferung machen müssen, da würde dir das Nichtvorhandensein sämtlicher und noch einiger Dutzend mehr Entwicklungsmöglichkeiten anderer Leute schnuppe sein.“
Wer weiß überhaupt, dachte Jürgen, weshalb der eine denkt und der andere niemals zu selbständigem Denken, nie zu einer eigenen Meinung kommt und deshalb auch nie zu einem Proteste gegen das Bestehende? Ist da die verschiedene Konstitution entscheidend? Oder das Leben, wie es ist, die Ordnung, die Lebensordnung? Oder alles zusammen? ... Das ist ein tiefes Problem. Das sind Fragen, schwer zu beantworten ... Und wer jetzt dazu noch überlegt, daß ganz offenbar diejenigen, die nicht selbständig denken, die Uneigenen, diese Ordnung bestimmen, dem Leben das Gesicht geben, der muß zugeben: Alles, das Ganze, ist verkehrt. Das Ganze!
„Jeder Armeeknopf muß x-mal durch die Maschine laufen. Dazu die Berechnung des Rohmaterials, der Kapitalsverzinsung, der Arbeitslöhne. Wenn du zu hoch kalkulierst, bekommst du den Auftrag nicht; und wenn du dich bei solch einem Riesenauftrag verrechnest, bist du pleite.“
Den kleinen Finger weggespreizt, zog er das grüne Tüchlein aus der Brusttasche und wischte sich die trockene Stirn. „Was sagtest du vorhin? Dolmetscher in China? Kannst du denn chinesisch? Es gibt meines Wissens und gewissermaßen nicht ein Dutzend Leute in Deutschland, die chinesisch können.“
„Gerade deshalb glaube ich ja, daß ich leicht einen Dolmetscherposten in China bekommen könnte“, sagte Jürgen, der bis vor zehn Minuten niemals daran gedacht hatte, Dolmetscher in China werden zu wollen.
„Ich kann ja schon ziemlich chinesisch“, begann er auf der Straße von neuem. „Ich lerne nämlich seit Jahren in einer alten Grammatik, die ich unter den Büchern meines Vaters gefunden habe ... Zum Beispiel als Dolmetscher bei der deutschen Gesandtschaft in China! ... Nur weg von Europa!“