„Solltest du nicht Amtsrichter werden? ... Schön, werde du Dolmetscher! Nichts als Romantik, mein Lieber, sauere Romantik! ... Na, mein Ziel kennst du ja. In einigen Monaten ist das neue Knopfexporthaus unserer Knopffabrik angegliedert. Runde Sache! Konzentration, mein Junge! Aber davon verstehst du ja nichts ... Im übrigen – lebe ich, amüsiere mich und, um es glatt herauszusagen, vergrößere meine Sammlung weiblicher Geschlechtshaare. Später ... natürlich heiraten!“ Er war mit der Bankierstochter Elisabeth Wagner, einer früheren Mitschülerin Katharinas, verlobt.
Der schwere Wagen hielt. Der Fabrikantensohn stieg aus und die läuferbelegte Treppe hinauf. Auch Jürgen und Adolf waren vor dem Klubhause angelangt.
„So einfach, wie du dir das vorstellst, erhält man Staatsaufträge natürlich nicht. Da sind, abgesehen von der Kalkulation, noch ganz andere Kräfte im Spiel, Kräfte, sage ich dir ... Für tausend Knöpfe werden bezahlt“, rief er plötzlich mit starker Stimme und nannte die Summe, „und hundertachtzig Millionen sind bestellt ... Rechne aus! Mein verflossener Chef wird platzen vor Ärger über den Kommerzienratstitel. Und obendrein, schwuppdich! schnappten wir ihm noch den kolossalen Staatsauftrag weg. Kurzum: es geht, husch, die Lerche! schnurstracks in die Höhe. Merkst du das?“
„Schwuppdich!“ murmelte Jürgen; er hatte gar nicht zugehört.
Da klang, wie damals, Klaviergepauke und Refraingesang durch das offene Fenster. Und Adolf, beide Arme weit ausgebreitet, Stock in der einen, Glacés in der andern Hand, sang mit in übersprudelnder Lebensfreude:
„Es haben zwei ne ganze Nacht
Zusammen in einem Bett verbracht.
Was ham se wohl gemacht?“
Während Jürgen die Stadt durchquerte, verlobte auch er sich. Katharinas Vater, Herr Geheimrat Lenz, löste die Verlobung wieder, weil Jürgen ein brotloser Philosoph und nicht bei einer schlagenden Verbindung war.
Am Arme ihres Gemahls – einer berühmten Persönlichkeit – geht Katharina vorüber an Jürgen, ihrem früheren Verlobten, der, total heruntergekommen und versoffen, die Straße kehrt. Bleibt stehen, ergriffen von Mitleid. ‚Sieh mal, wie furchtbar traurig! Er war mein Jugendfreund. Schenke ihm doch etwas.‘