Der Agitator, der schweigend vor sich hingeblickt hatte, machte eine Bewegung, als schüttle er etwas von sich ab. „Es ist nichts zu machen.“ Und da Jürgen fragte, teilte er ihm den Inhalt der Depesche mit.
„Und was geschieht dann mit dem Attentäter?“
„Er wird hingerichtet.“
„So ... Wird hingerichtet.“
Vorüber an einer geschlossen und zielhaft marschierenden Gruppe Schutzleute. Krachend vorbei an einem Kanalloch, um das herum Proletarierkinder Ringelreigen tanzten.
Fabrikmädchen, die halb geschlafen hatten, erwachten im Ruck: Alle Fahrgäste und die grau herbeiströmenden Arbeitermassen drängten hinein in das ‚Paradies‘, das schon überfüllt war.
Galerien und Balkone, von denen die Menschenleiber, übereinandergetürmt, gleich Gewächsen aufstiegen, stürzten nicht hernieder. An den Tischen: Oberkörper neben Oberkörper, überragt von denen, die, dicke Menschenschnüre bildend, dichtgedrängt in den Zwischengängen standen. Gebärden der Erregung durchschnitten Stimmengeschwirr und Rauch, hinter dem die Wandmalereien verschwammen: paradiesische Wesen, die alles im Überflusse hatten.
Plötzlich hörte und sah Jürgen, der eine Sekunde die Augen geschlossen hatte, gewaltige, kilometerbreite, gischtige Wassermassen aus blauer Höhe herabklatschen: sah zehntausend klatschende Menschenhände und in weiter Ferne, auf dem Podium, einen Mann.
Da schwoll sein Herz, und das nie empfundene Gefühl rückhaltloser Hingabe erfüllte ihn ganz. Sympathie für den Mann, der das Vertrauen dieser fünftausend Hoffenden besaß. Hingabe an diese fünftausend Vertrauenden. Stürmischen Herzens streckte er die Hand dem jungen Zeitungsverkäufer hin, der rief: „Die Befreiung! Die Befreiung!“
Arbeitsschwarze Hände griffen nach den Blättern, die er über den Kopf hochhalten mußte. Ein Zögernder fragte: „Was kostet die Befreiung?“