„Jetzt? Gewiß, jetzt vielleicht noch nicht. Aber — es tut mir ja wirklich sehr leid, Ihnen das sagen zu müssen — meiner Meinung nach wird das nicht immer so bleiben. Es wird nicht einmal allzu lange so bleiben . . . Das Leben geht weiter. Bekanntlich. Und ich brauche für mein großes, erstklassiges Unternehmen einen repräsentativen Vertreter, der im vollen Besitze seiner, sagen wir . . . gesellschaftlichen Fähigkeiten ist. Das begreifen Sie. Ja wirklich leid . . . Eine entsprechende Entschädigung — in Grenzen — steht Ihnen natürlich gerne zur Verfügung.“
„Danke. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als mich auf den gesetzlichen Rechtsstandpunkt zu stellen. Ihr früherer Vertreter hat, während Sie im Militärdienste waren und bevor er selbst einrücken mußte, einen rechtsgültigen Vertrag mit mir abgeschlossen. Er war von Ihnen ermächtigt, Angestelltenverträge abzuschließen. Der Vertrag ist juristisch unanfechtbar.“
„Also tun Sie mir den Gefallen, und reden Sie nicht von Verträgen. Verträge sind nur . . . Papier. Kanzleipapier.“
Auch der verstümmelte Herr erhebt sich. „Darin wird Ihnen kein Richter der Welt, kein objektiver Richter recht geben. Keiner wird sagen, Verträge seien nur Papier.“
„Möglich. Aber, sagen Sie selbst, was kann ich tun? Es handelt sich hier um den exponiertesten, wichtigsten Posten meines ganzen Unternehmens. Halte ich den Vertrag ein, dann wird meine Firma mit mathematischer Sicherheit von der Konkurrenz überflügelt. Und in der Not . . . was tut ein Mensch, der vorwärts kommen will, der etwas erreichen will, sagen wir, ein bestimmtes Ziel erreichen will, was tut der nicht alles in der Not . . . Wir haben in dieser Hinsicht schon ganz andere Dinge erlebt.“
Der Herr ohne Hände fragt noch ganz ruhig: „Und wenn nun alle nach . . . diesem Prinzip handeln würden? Wenn das ganze Geschäftsleben unseres Landes nach dem Prinzip: Verträge sind nur Kanzleibogen, gehandhabt würde?“
Der Kaufmann hebt die Schultern. „Jeder sehe, wie er fertig werde . . . Soweit wie möglich will ich ja gerne die Sache wieder gutmachen. Zu einer entsprechenden Entschädigung — in Grenzen — bin ich jederzeit bereit.“
„Ich sage Ihnen aber: Verpflichtungen müssen eingehalten werden. Verträge müssen eingehalten werden. Das ist ein moralisches Gesetz, das in ganz Europa sogar zum geschriebenen Gesetze erhoben worden ist.“ Das Gesicht des Verstümmelten wird dunkelrot. „Und ich sage Ihnen: es gibt im deutschen Volke noch Menschen, die das Raubsystem nicht mitmachen. Die unser Volk wieder rehabilitieren werden . . . Auf Kosten der Straßenräuber Ihrer Art.“
„Das ist eine Beleidigung. Ich kann Sie belangen“, schreit der Kaufmann in falschem Zorne und freut sich.
Der Verstümmelte geht. Sein Schicksal ist das Schicksal der Kriegsbeschädigten.