Durch ihren Schlaf schreitet der Sohn durch; er marschiert durch. Wird kleiner, nebelig, verschwindet. Und marschiert trotzdem ununterbrochen durch. Durch jeden Schlaf. Durch jede Nacht und jeden Traum.
Der Sohn sitzt auf einem Stuhle, an der verschwimmenden Peripherie des schweren Angsttraumes, der an ihr Bett den harten Hauswirt stellt: „Jetzt endlich das Geld für die Miete!“
Drohender Hauswirt, alle Qual der Pfennigsorgen, alle Mühe und Not der Täglichkeiten werden gewichtlos, verdunsten; denn der Stuhl mit dem Sohne rückt in den Mittelpunkt des Traumes, ihr auf die Brust.
Sie wischt den Staub von den lackierten Muschelmöbeln; der Sohn steht neben ihr, begleitet sie: vom Schrank zur Kommode, vom Bett zum Tisch.
Sie sieht ihn und sich hinauswandern zur Kaserne. Viele junge Männer, noch in Zivilkleidern. Ärmliche Köfferchen und Pappschachteln. Viele Menschen stehen vor der Kasernenhofmauer: Frauen, Kinder, Bräute, Mütter. Machtlos.
Diese entsetzlich kalte, mitleidlose Eisenkonstruktion der Bahnhofshalle. Stumme und weinende Mütter und Frauen. Trockene Gaumen. Zerrissenes Lächeln der jungen Soldaten. Wie Leichen mit Blumen geschmückt. Wilde, mit Blumen geschmückte Machtlosigkeit.
Der Zug fährt ab. Er fährt. Fährt. Verschwindet.
Einsames, furchtbares Nachhausegehen.
Zwischen der Mutter Hand und den Deckel des Kochtopfes schiebt sich die graue Gestalt des Sohnes. Die Überlegung, ob das Gemüse noch etwas Salz brauche, wird zerschnitten vom Sohne, der in den Schützengraben springt. Immer wieder rasend schnell in den Schützengraben springt, aus dem heraus die Bajonette nach ihm stoßen.
Jeder Gedanke wurde vom Denken an ihren Sohn durchschnitten.