Stumpfe Menschen, vom Leide ausgehöhlt, empfingen den Keim neuen Lebens. Väter, Mütter, Kriegswitwen, Krüppel, in den mildglänzenden Augen die unmeßbar tiefe Freude von Menschen, die alles hingegeben und verloren hatten und nun plötzlich zusammen mit Brüdern gingen.
Von Zweifel und Frage nicht berührt, dicht hintereinander, fast am Platze marschierend, dem Ziele zu, das alle im Herzen trugen.
Ein endloser, schweigender Zug von Brüdern, dem Menschheitsziele entgegen, über den Untergang hinaus, hinein in das neue Zeitalter, das im Zeichen der Wahrheit, der Freiheit und der Liebe steht.
Sie schritten ganz langsam eine breite, unabsehbar lange Asphaltstraße hinunter und nahmen, tief vertraut mit der Atmosphäre der großen Zeitwende, in der die Ereignisse ohne Frage und Antwort begriffen werden, mit göttlicher Selbstverständlichkeit wahr, daß ihrem Zuge ein gewaltig langer Bruderzug entgegenkam. Ganz langsam und schweigend.
Voran der Kellner, auf dessen von Mund zu Mund getragenes Wort Millionen horchten.
Neben ihm die Versicherungsagentenwitwe, die vom Kellner dem Hasse entrissen und in den tieferen, in den radikalsten Protest gegen den Mord: in die Liebe gestellt worden war.
Der von diesen beiden angeführte Revolutionszug der Liebe traf mit dem unabsehbar langen Revolutionszug der Liebe, den die Mutter und der Gekreuzigte anführten, bei einer asphaltierten, breiten Querstraße zusammen.
Keine Frage. Keine Erklärung. Kellner und Agentenwitwe und die Mutter mit dem gekreuzigten Sohne blieben voreinander stehen, Auge in Auge.
Die Seitwärtsgehenden beider Züge bogen links und rechts in die Querstraße ein: ordneten sich zu einem riesenhaft großen, schwarzen Menschenkreuz, zu dessen Mittelstück das neben der Mutter stehenbleibende, reiterlose Pferd des Schutzmannes wurde.
Unvermittelt kam die Erleuchtung über abgearbeitete, vom Hunger geschwächte Menschen. Sie lösten sich los, standen plötzlich auf Balkonen.