„Vielleicht kommst du nur in ein Bureau.“
Der Philosoph hob den Kopf; die Frau hatte aus dem Schlafe gesprochen. Ihr Gesicht war tränennaß. Durch eine leise Berührung erwachte sie sofort.
Er sprach eindringlich und sanft: „Nehmen wir einmal an, ich käme nur in ein Bureau. Und müßte nur ganz untergeordnete Arbeiten verrichten . . . Vielleicht nur Stellungsbefehle ausfüllen, mit den Namen derer, die daraufhin, meinungslos-pflichtbewußt oder vielleicht gegen ihren Willen, sich einfinden und, nach der Ausbildung, Menschen erschlagen oder selbst sterben würden für eine Gemeinschaft, deren Geist schwer mitschuldig ist an diesem Kriege.“
„Ich weiß nichts mehr.“ Die Frau hätte schwören können, daß sie diese vier Worte nicht gesagt habe.
„Es könnte aber auch sein, daß ich, eingefügt als meinungsloser Handlanger in die Maschinerie dieses höllischen Geistes, den Befehl schreiben müßte:
‚Sie haben den Mann, namens so und so, serbischer Staatsangehörigkeit, siebzig Jahre alt, nach . . . zu führen und ihn dort zu erschießen.‘
Was sollte ich dann tun?“
Nach minutenlanger Stille fragte er noch einmal: „Was sollte ich dann tun?“
Die Frau wußte und gab auch diesmal keine Antwort. Aus ihren Augen heraus fragte stumm das ganze Volk: ‚Was sollen wir denn tun?‘
In der Stube stand schon die Finsternis. Und in ihr die dunkle Gewalt, die den Körper töten kann.