Da fühlte plötzlich der Philosoph, wie im tiefsten Urgrund seiner Seele, im mystischen Punkt, die Flamme entstand, die rapid zur Feuersbrunst wurde und seine Bereitschaft, sich wieder protestlos ins Leichenschauhaus zu legen, sekündlich verbrannte.

In ihm stand ein ungeheurer Wille auf: die Bereitschaft eines tödlich verzweifelten reinen Geistes, sich der Notdurft der Gegenwart anheimzugeben.

Von dieser Stunde an begann der stürmische Pilgergang.

Die schwangere Frau hatte nur ein wollenes Brusttuch mitgenommen aus ihrer Wohnung, in die sie nicht mehr zurückkehrten. Der Stellungsbefehl lag auf dem Tische.

Aus der unvermittelt in ihm entstandenen wilden Hoffnung, daß das unmeßbare Leid dreier Kriegsjahre den Aufstieg des Menschenrechtes ermöglicht habe, wuchs dem Philosophen die Kraft zu dem Versuche, den vergewaltigten Menschen zu erklären, weshalb ihr Ausharren und ihre Arbeit Mord und gegen sie selbst gerichtet sei.

Seine Stimme hallte durch die Stadtviertel, in denen der Gestank der Armut und des Hungers stand.

Die ‚Unbekannten‘: dunkle Existenzen, aus dem nie versiegbaren Behälter der Volksseele plötzlich emporgestoßen in die ewige Freiheitsidee, stiegen auf die Straße. Volk, dem Zwange entrissen, ins Menschentum hochgerissen, stieg auf die Straße.

Und während die Führer des Volkes in blutüberströmter Bescheidenheit weiter über kleine Reformen resultatlos diskutierten, weiter unverdrossen neue besetzte Länder, neue Versenkungen und neue Kriegserklärungen buchten, neuen Zwangserlassen gegen das gemarterte Volk und neuen Dankadressen an die Sieger zustimmten, während so das Volk zu Millionen im Blute ersoff, versuchten in der überreif gewordenen Zeit der Philosoph und seine Anhänger, zusammen mit dem Kellner und dem Zwanzigjährigen, die gequälten, vergewaltigten Herzen für die Idee der Freiheit und der Liebe aufzureißen. Versuchte mit letzter Hingabe der Philosoph, dem Volke zu zeigen, auf welcher Seite im Lande der Feind, die Brutalität und die Dummheit waren.

Das Netz maßlosen Leides und dunklen Aufruhrs lag über der Stadt.

Erst bei der wuchtigen Massenerhebung gegen den Raubrittergeist einiger zehntausend mittelalterlicher Existenzen, gegen den Raubrittergeist, der den Krieg losgebunden hat, traf die Gewalt den Philosophen, als er in der Menschengasse, die von herangaloppierenden Schutzleuten in die Menge hineingeritten worden war, das Recht des Menschen proklamierte; vor dem Leutnant,