Der bärtige Bauer hockt aufgerichtet in seinem Strohsack und winkt den Sanitäter heran, in ungeheurer Spannung. Er winkt, macht: „Pst!“

„Nun, was denn?“

„Es mußte also nicht abgenommen werden? Aber furchtbare Schmerzen habe ich in der Wade.“

Der Sanitäter hat gehört, daß es Reflexgefühle gibt. Er sagt beruhigend: „Das sind nur Reflexschmerzen.“

Des Bauern Bein mit der schmerzenden Wade liegt schon seit zwei Stunden im Gliederkübel.

„Aber die Wade zieht und brennt und reißt . . . So, nur Reflexschmerzen?“ fragt er noch einmal und steigt zu kirchturmhohem Glück empor; denn jetzt weiß er ja ganz bestimmt, daß er sein Bein noch hat. Und sinkt beseligt in Ohnmacht.

Aus der er wieder erwachen wird.

Der fiebernde Stabsarzt kann nicht mehr; er sieht den reglos und langgestreckt auf dem Operationstisch liegenden Menschenkörper doppelt. ‚Und wenn ich den Arm erst heute abend abnehme, stirbt der Mann vielleicht. Und wenn ich den Arm erst morgen früh abnehme, stirbt der Mann sicher.‘ Der Stabsarzt beginnt. Sein kleiner, leichenblasser Unterarzt taumelt schon wie ein leicht Angetrunkener.

Der Stabsarzt schneidet und denkt: ‚Krieg‘.

Er denkt: ‚Dieses Wort ‚Krieg‘ offenbart den gedankenlosen Menschen nicht den billionsten Teil von der unmeßbaren Menge Ungeheuerlichkeiten, die mit dem Worte ‚Krieg‘ bezeichnet werden . . . Das Wort selbst ist schwach wie der Atemzug eines Säuglings; und verglichen mit dem Inhalte des Wortes ‚Krieg‘, ist ein Taifun, der Schiffe und Städte und Inseln verschlingt, nur der Atemzug eines Säuglings . . . ‚Krieg‘ ist ein Wort von fünf Buchstaben. Und wenn es ohne e geschrieben würde, hätte es nur vier Buchstaben‘, denkt der fiebernde Stabsarzt. Dabei operiert er.