‚Wer fährt auf diesem Geleise? Wer setzt sich diesen Gliederlorbeerkranz aufs Haupt?‘ grübelt der sägende, fiebernde Stabsarzt. ‚Wer? Wer setzt ihn auf? Will ihn am düsteren Ende vielleicht doch niemand aufsetzen?‘

Der Spalt klafft; der Knochen ist durchgesägt. Er rückt das Bein bis ans Ende des Operationstisches, so daß der Soldat plötzlich ein kurzes und ein sehr langes Bein hat. Denn der Stabsarzt sieht den Zwischenraum nicht; er sieht nur noch Beine, Millionen Beine, alle von ihm allein abgesägt. Sieht Farben: Rot, das in Violett übergeht und zu einer gelbumrandeten, giftgrünen Scheibe wird, in deren Mittelpunkt klar und scharf der Gedanke steht: ‚Die Herren, die mit einem Worte, mit einem Wunsche, mit einem Traume, mit einem Gedanken, mit einem Befehle dazu beigetragen haben, daß dieser Krieg kam, müssen an Ketten gelegt werden.‘

Plötzlich weiß er mit lautlos donnernder Gewißheit: ‚Werden an Ketten gelegt werden‘, und beugt sich tief und treu zu seiner blutigen Arbeit hinunter.

Bewegung bei der Tür: acht Krankenträger marschieren hintereinander herein, mit vier Bahren, auf denen zwei ganz stille Männer liegen, ein brüllender und einer, dessen zersplittertes Bein, nur noch durch die Haut gehalten, verdreht am Rumpfe hängt. Die Ferse steht nach oben.

Der Stabsarzt sagt sehr ruhig: „Hier ist kein Platz mehr.“

Der bärtige Bauer erwacht aus der Ohnmacht, hat unerträgliche Schmerzen im Bein, das er nicht mehr hat. Und ist ungeheuer glücklich. Schiebt die Hand vorsichtig unter die Decke zum schmerzenden Beine, greift behutsam an die Schmerzen und greift doch kein Bein.

„Diesmal müßt ihr die Leute in den Tanzsaal hinübertragen.“

Der blonde Soldat hockt aufgerichtet im Bett, bläkt die Zunge lang und blau und keucht. Sein Nachbar kreist den Oberkörper, langsam und ununterbrochen. Der O-Schrei platzt.

„Zu Befehl! Aber der Tanzsaal ist überfüllt.“

„Uu . . . . . . . . .!“