Der Stabsarzt sieht die flache, leere Riesennarbe an und fragt: „Sagen Sie, Lieber, erkennen Sie Ihre Bekannten schon an der Stimme?“
Der Soldat macht eine ungeheure Anstrengung, ein Wort zu formen. Die rote Zungenspitze durchstößt immer wieder das schiefe, lippenlose Loch. Er gestikuliert mit den Händen.
Jetzt erst erinnert sich der Stabsarzt, daß der Mann nicht sprechen kann, weil er keinen Mund, keine Zähne mehr hat. Und drückt in grenzenloser Liebe die Narbe an seine Wangen.
Der Gefühlssturm, der den Soldaten durchfliegt, wird nicht sichtbar, da der Soldat kein Antlitz hat. In wilder Erregung tastet er nach der Menschenhand, preßt sie. Und steht im Glücke, das nicht sichtbar werden kann.
Der Stabsarzt verkündet den Blinden das neue, das erneute Gesetz.
Herzen ziehen sich zusammen. Krampfhaft. Schmerzlich.
Und öffnen sich weit.
Die Alarmglocke ruft. Zusammen mit dem aufgeregt winkenden Sanitäter springt der Stabsarzt in den Wagen der Irrsinnigen hinein.
Das in der Lokomotive über dem Manometer angebrachte Telephon klingelt. Der Lokomotivführer wird hastig aufgefordert, schneller zu fahren und im nächsten Dorfe zu halten.
Ein Irrer hat sich unterm Knie die Sehnen, die Hauptadern, die tieferliegenden Arterien durchschnitten, die ganze Wade weggeschnitzt. Bis zum Knochen. Das Blut strömt. Niemand weiß, woher er die kleine Gilletterasierklinge hat.